Erwarten Sie mehr
Hrsg. von Hans- Christoph Hobohm
Aus dem Amerikanischen von Erda Lapp und Willi Bredemeier.
2017
ca. 100 Seiten
ISBN 978-3-9456-10-32-9
19.50
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Hrsg. von Hans- Christoph Hobohm
Aus dem Amerikanischen von Erda Lapp und Willi Bredemeier.


Wie sich Bibliotheken unersetzlich machen! Die Bibliothek als Diener ihrer
Community –wie sich Bibliotheken im engen Zusammenwirken mit
ihren Nutzern und Stakeholdern aus eigener Kraft aus der Krise ziehen.
Mit vielen Beispielen aus den USA . Eine Kampfschrift für die Belange
der Bibliotheken. Plichtlektüre!

Rezensionen

Erwarten Sie mehr!

Verlangen Sie bessere Bibliotheken in einer komplexeren Welt

Im ersten Moment mag man ob des Titels zusammenzucken. Was denn noch alles? Bibliotheken, schaffen beileibe nicht immer das Notwendigste, Bescheidenheit ist eine Zier, und überhaupt, Hurra, sie leben noch. Oder auch in dieser Lesart: Ganz genau, Bibliotheken erwarten sich tatsächlich mehr! Doch unabhängig davon, wie man den knappen Titel interpretieren möchte … mit „Sie“ sind nicht sie selbst gemeint. Dass die Zielgruppe eine andere sein könnte, lässt sich vage aus dem Untertitel erahnen. Im Vorwort des Herausgebers Hans-Christoph Hobohm löst sich sodann auf, dass die Hauptadressaten die übergeordneten Träger von Bibliotheken seien. Diesen seltenen Ansatz und Zugang kennen wir zuletzt aus einer knapp und trocken formulierten 21-seitigen Beilage „Grundlagen für gute Bibliotheken“ innerhalb der im Vorfeld heiß diskutierten, gefällig bebilderten Broschüre „21 gute Gründe für Bibliotheken“ (BID, Bibliothek & Information Deutschland, 2009).

Nein, mit „gut“ hat der Autor, Professor für Bibliothekswissenschaften aus South Carolina, USA, nichts (mehr) am Hut. „Dieses Lied wird kein Liebesbrief an Bibliothekare sein“ (S. 24). Bibliotheken müssen (und er gebraucht dieses unregelmäßige Verb regelmäßig) besser sein, besser noch: großartig! Doch was ist „großartig“? Nun, das kann man nehmen, wie man will. „Der Unterschied zwischen einer guten und einer großartigen Bibliothek kann subtil sein“ (S. 168). Wer hier ratlos blickt, sei beruhigt. Lankes bietet reichlich Hinweise und gibt Beispiele, wie wir besser werden könnten. Dies in sprachlich aufrüttelnden, intensiven Bildern (Hut ab vor Erdmute Lapp und Willi Bredemeier, deren Übersetzungsleistung sicherlich keine einfache war), beginnend mit der bewegenden Schilderung der Ereignisse des Arabischen Frühlings mit der sich die Hände reichenden Menschenkette als Schutz gegen die Plünderung der Bibliothek von Alexandria.

Mitreißend fürwahr, es fällt zugegebenermaßen schwer, sachlich zu rezensieren. Doch bevor ich endgültig dem (typisch amerikanisch) eindringlichen Sog des Werkes erliege, blitzschnell noch eine praktische Frage nebst pragmatischer Antwort: Sollte tatsächlich das Wagnis eingegangen werden, die anvisierte Zielgruppe – in deutsche Verhältnisse übertragen sind dies Finanz- und Entscheidungsträger bzw. die Vertreter der Kommunen und Gemeinden, der Länder, des Bundes und der Kirchen – auf Lankes’ Mehrforderungen

aufmerksam zu machen? Dem oder der Bürgermeister/in oder Kanzler/in oder dem Kirchenvorstand dieses schmale Büchlein auf den Nachttisch zu legen, gar mit der Widmung „Freundlichst überreicht von Ihrer Bibliothek – träumen Sie schön von uns!“?

Ich meine: „Ja, nur Mut!“ Auch, wenn vieles, was der „leidenschaftliche Anwalt für Bibliotheken“ in immer neuen Schleifen und Wendungen ausführt, unsere Bibliotheken im deutschsprachigen Raum bereits erfüllen. Beispielsweise die Forderungen nach Transparenz und den Zugang zu Wissen und Bildung, um Demokratie aufrechtzuerhalten (S. 44). Bibliotheken sind als Teil der Community ein Symbol, Freund und Lehrer (S. 169), oder etwas konkreter: vermitteln Recherchefähigkeiten und helfen, die an sie herangetragenen Probleme zu lösen.

Ja, da können wir mithalten. Ich meine, es versteht sich für manche Bibliotheksverantwortliche von selbst, ihre Bibliothek als aktiven und kreativen Lernraum, gerne auch mit 3D-Drucker, Makerspaces oder als FabLabs (S. 145) zu gestalten, oder öffentliche Gaming-Turniere zu veranstalten, oder an ihren Hochschulbibliotheken eine Schulung bedarfsorientiert und „just in time“ anzubieten.

„Großartige Bibliotheken experimentieren mit neuen Diensten und fürchten sich nicht vor einem raschen Scheitern“ (S. 160). Nun, das dann doch ein wenig seltener. Aber sehr viele unserer hiesigen Bibliotheken können sich an den oben genannten Beispielen messen. Wenngleich einiges davon eher nebenbei im Alltagsbetrieb und ohne größeres Aufsehen, zuweilen spontan und ohne Einbindung in postulierte Konzepte. Konzepte? Nein, wir brauchen „Missionen“, so im Kapitel 3 ausführlich ausgeführt und – ich will ehrlich sein – von mir mit Stirnrunzeln begleitet. Doch bin ich mit dem Autor einer Meinung: Wir täten gut daran, es deutlicher auszusprechen, beispielsweise so: „Bibliotheken sollten Orte der Wissenserstellung, des Partizipierens an Wissen sein, nicht nur des Konsums und des Ausleihens von Büchern. Die Funktionen der Bibliothek sollten über ihre Mauern hinausreichen.“

Über die Mauern hinausreichen … ich will das eben mal aufgreifen. Wir konzentrieren uns hier in Deutschland derzeit sehr stark auf die Diskussion von Bibliotheken als „Dritter Raum“ bzw. „Dritter Ort“. Darum, um uns mindestens physisch ein gewichtigeres Standbein zu verschaffen, nachdem uns einiges an virtueller Dienstleistungskonkurrenz vermeintlich unsere Daseinsberechtigung zu erschüttern droht. Doch mit Onleihe, sozialen

Bücherdiensten und der Mit- und Zuarbeit in punkto Lernplattformen gehen wir durchaus über unsere räumlichen Grenzen hinaus. Und hier erfährt sogar der selbstzufriedenste Leser noch etwas Neues, wenn auch ziemlich weit hinten im Buch. Da geht es zwar mehr um die Gleichberechtigung des Zugangs zu allen Diensten der Bibliothek, aber sei’s drum, ist ja auch wichtig und nicht immer in dem Maße erfüllt, wie es sein könnte, … wie gesagt: „Fordern Sie mehr!“

So leiht die Bibliothek in New York City an ihre Nutzer Internet Hot Spots über mehrere Monate aus (S. 115). Der Hot Spot ist ein kleines Gerät, welches über das Telefonnetz eine Funknetz-Verbindung mit dem Internet herstellt. Gute Idee, ergänzend zur Ausleihe von Tablets und E-Reader. Auch diese Gerätschaften erwähnt Lankes, und so neu ist das bei uns in Deutschland ja nun nicht mehr. Auch nicht mehr so ganz neu, doch möglicherweise noch nicht überall angekommen ist die Einstellung zum Wissen. Dem Wissen räumt der Autor einen sehr hohen Stellenwert und damit viel Platz in seinem Werk ein.

„Diese neue Auffassung von Wissen als etwas aktiv Geschaffenem ist vermutlich die größte Veränderung in unseren Erwartungen, die wir vollziehen müssen, um die Bibliotheken zu bekommen, die wir verdienen.“ (S. 71). Und: „Die Bibliothek als „aktive Förderer von Wissen“. (S. 91). Gleiches Horn: „Sie soll „Bürger auf viele Weisen inspirieren, ihre Lernmotivation aufzubauen, Wissen zu erstellen und letztlich die Gesellschaft zu verbessern.“ (S. 90) oder auch: „Verbesserung der Gesellschaft durch die Förderung der Generierung von Wissen in der Community“ (S. 69). Verbessern? Selbsternannte Weltverbesserer gibt es genug, das deucht mir oberlehrerhaft und anmaßend. Auf S. 96 werde ich beruhigt: „Letztlich wird lokal definiert, was Verbesserung innerhalb der Gesellschaft bedeutet“. Ja, damit kann ich leben.

Viel ist von der sogenannten Community die Rede. Sie setzt sich unterschiedlich zusammen, mal orts-, mal themen-, mal zeitgebunden, und natürlich können wir verschiedenen Gemeinschaften gleichzeitig angehören. Das Mitglied einer Community jedenfalls soll in der Bibliothek „seine Stimme zu Gehör (zu) bringen und die Einrichtung (zu) verbessern.“ So, so. Wer soll denn jetzt nun verbessern – wir oder die? Und: Erwarten wir nicht da ein wenig zu viel von unserer Community, werter Herr Lankes?

Hin und wieder – nein, sehr oft sogar – überlegte ich mir beim Lesen, ob die Zielgruppe nicht viel eher die Menschen ganz allgemein sein sollten, also eben jene vielgepriesene

Community, denen wir dieses Buch in die Hand drücken müssten. Denn viele Angebote und Services erfüllen Bibliotheken doch bereits jetzt schon, siehe oben. Diese sind nur noch nicht ins Bewusstsein der überwiegend konsumierenden statt agierenden Mitmenschen gedrungen, aller unserer mittlerweile recht professionellen Öffentlichkeitsarbeit zum Trotz. Und trotzig möchte ich anführen: „Wir Bibliotheken sind für die Menschen da, nicht sie für uns!“ Lange Jahre des Umkehrdenkens sorgten dafür, dass Bibliotheken einen Weg fanden vom behördlichem Gängelband hin zu wahren Dienstleistern. Sie sorgten dafür, dass wir heute Kunden haben und keine Benutzer mehr. Indes erfahren wir nun von Lankes:

„Bibliotheken ‚für die Menschen’ ist die alte Sicht, auf Bibliotheken zu schauen. Sie sieht die Bibliothek als getrennt von der Community und als ein Anbieter von Dienstleistungen, die die Community nutzen und dafür zahlen, aber auch ignorieren und ablehnen kann. Die neue Sicht sieht hingegen eine Bibliothek der Menschen. Die Community ist ein integraler Teil dessen, was die Bibliothek tut, und die Bibliotheken sind mit Haut und Haaren Mitglieder dieser Community. Bibliothekare gehen ihrer Arbeit nach, nicht weil sie Dienstleister sind oder ein Produkt herstellen, das zu konsumieren ist, sie arbeiten vielmehr daran, die Community besser zu machen. Mitglieder der Gemeinschaft unterstützen die Bibliothek nicht, weil sie zufriedene Kunden sind, sondern weil die Bibliothek ein Teil dessen ist, was sie sind“ (S. 64). Was konkret bedeutet:

„… die Aufgaben der Bibliothek auf der Grundlage von Bedürfnissen vor Ort zu definieren und lokale Definitionen, was die Gesellschaft verbessert, zu liefern“. Was mehr und anders ist als „… die Definition einer Bibliothek als eine Gruppe von Funktionen, die für alle Communities auf dem Globus gleichermaßen gelten.“ (S. 118)

Genau das frage ich mich, beim Lesen zunehmend unruhiger werdend: Von welchen Menschen, welcher Community spricht der Autor eigentlich? Sollten wir denn nicht viel mehr ein „Mehr“ von unserer Community fordern, statt von unseren Bibliotheken? Die Bibliotheken scheinen mir vorbereitet genug zu sein. Allein, es fehlt an fordernden „Mitgliedern“. Zum Begriff „Mitglieder“ später mehr, und dieser Verweis auf „später“ mag ganz im Sinne des Autors zu sein, der sich dessen meines Geschmacks nach ein wenig zu oft befleißigt und meine Unruhe bzw. Neugierde damit zu schüren weiß.

Apropos unruhig … wir erfahren beim weiteren (geduldigen) Lesen von einer „Unruhigen Bibliothek“ (S. 71) in Georgia und ihrem Projekt „Media21“. Mag auch das Projekt, in dem es um eine semesterlange partizipierende Lernerfahrung geht, als solches interessant sein, vielmehr noch staunt man über seine Evaluierung „mit Blick auf die […] Standards des Amerikanischen Verbandes der Schulbibliotheken für Lernende des 21. Jahrhunderts“. Diese Standards datieren übrigens vom Oktober 2012. Nun, unser Manifest für Schulbibliotheken datiert auf das Jahr 2001, ist also etwas älter (und gar Vorreiter?). Doch immerhin können wir auf diese UNESCO-Grundlage verweisen. Allerdings nicht auf einen deutschlandweiten Schulbibliotheksverband, und noch weniger auf Preise, die dieser vergeben könnte. So verlieh der amerikanische Verband der Schulbibliotheken einen Preis für – nein, nicht für die Bestände oder Räume oder gar Gebäude! – „sondern für die Lernerfahrungen der Schüler“ mit Hilfe eines selbstständig agierenden „Schüler-iTeams“ (S. 72).

Kurz gesagt: Was unseren Bibliotheken fehlen könnte, so meine Inspiration beim Lesen – und das ist auch der wichtigste Gewinn der Lektüre – sind noch überzeugendere Konzepte des Ermöglichens von Wissen. Hier ein paar Beispiele: „Bibliotheken müssen wie Küchen werden –“, greift der Autor die Bibliotheksberaterin Joan Frye Williams auf (S. 75). „– aktive Orte, wo viele Zutaten (Informationen, Quellen, Talente) zu einer aufregenden neuen Kreation vermischt werden, die mit anderen geteilt werden kann“. Oder sie sollten funktionieren wie iPhones. Die grundlegenden Dienste werden gestellt, mit deren Hilfe das Gewünschte in Form von Apps bedarfsorientiert zusammengebastelt wird (S. 118). Daraus folgt: „Ihre Bibliothek sollte Ihnen nicht sagen, was Sie tun können (lesen, ausleihen, suchen), sie sollte Ihrer Community einen Werkzeugkasten zur Verfügung stellen, damit sie selbst bauen, was die Gemeinschaft braucht (S. 119). Auch die Idee der Bibliotheksmitarbeiter als „menschliche Plattform“ (Kapitel 6) benötigt ein völlig neues Konzept, losgelöst von der bisherigen Einteilung in „Benutzerdienste“ und „Technische Dienste“.

Ob man sich an Lankes’ Mehrforderungen reiben möchte oder sie goutieren, oder ob man die zumeist aus den USA angeführten Beispiele auf Deutschland und Europa übertragen, sie zumindest als Anregung verstehen oder gar zum „Schnee von gestern“ erklären mag – alles ist möglich. Viele werden sich berührt und motiviert, zumindest jedoch sehr nachdenklich und – ja! – (heraus)gefordert fühlen.

Für manche wird das Buch eine Offenbarung bedeuten und Begeisterung auslösen, oder wenigstens auf die Suche nach der eigenen Mission und zu (eventuell beim zweiten Lesen) bewusst vorgenommenen Veränderungen führen. Einige werden den Kopf schütteln („... dass Sie als Eigentümer die Bibliothek übernehmen“ (S. 153), Politisches Engagement zeigen) und sogar ärgerlich werden, so bei Lankes’ Merkmalen „schlechter Bibliotheken“ im Kapitel 8 seines Aktionsplans, aber auch ob der Forderungen (Obdachlose einbinden (S. 82), Gründerzentren (S. 125), an öffentlichen Debatten teilnehmen (S. 103), Umschulungen anbieten (S. 155) sowie seiner stellenweisen „Nichtübertragbarkeit“ in deutsche Verhältnisse – man denke nur an mögliche Loyalitätskonflikte im Öffentlichen Dienst. Vermutlich werden wir in Deutschland auch weiterhin keine „Mitglieder“ als Bibliothekskunden anführen, die auf die Begründung fusst: „Sie [die Kunden] wählen, legen die politische Linie fest und unterstützen“.

Als Diskussionsgrundlage hingegen ist jedes einzelne der acht Kapitel bestens geeignet. Auch finden sich zahlreiche zitierfähige Passagen (Qed!), die aufhorchen lassen und für reichlich einleitende Zitate in Vorträgen sorgen werden, wie die Rezensentin bereits zum Bibliothekartag 2017 bemerken konnte.

Möge also das Buch auf allen Nachttischen seinen Platz finden, ob unter Bibliothekswesen, ihrer Community oder ihren Trägern. Ruhig schlafen wird Lankes’ Plädoyer für großartigere Bibliotheken jedenfalls niemanden lassen. Es weckt den Wunsch nach Austausch und nach einer neuen Dimension des Miteinanders. Der Wunsch nach Zugehörigkeit ist schließlich so alt wie die Menschheit. Es ist auch für Bibliotheken an der Zeit, über den reinen Dienst an der Community hinauszuwachsen und stattdessen mit ihr zusammenzuwachsen, also ein gleichwertiger – ach, was soll’s ... frei nach Lankes fordern wir gleich mehr! – ein zentraler Teil von ihr zu werden und – ja, nur zu! – ein „Sprecher in der großen Welt“ (S. 115). Erwarten wir mehr!

Ilona Munique, 21.08.2017

Aktuelles

Ich bin ein Bibliothekar

Gotthold Ephraim Lessing war einer. Er gab der Wolfenbüttler Bibliothek das Gesicht eines Lern- und Wissenszentrum. Antonio Panizzi formte das British Library Museum zu der effektiv arbeitende British Library um und gab ihr ein prägendes Gebäude. Benjamin Franklin mit seinen Vorschlägen zur Systematik förderte die Gründung öffentlicher Bibliotheken in Frankreich und Gallardo legte die ersten Grundlagen für ein von Aufklärung und Liberalismus getragenes Bibliothekswesen in Spanien. Leider musste er diese Ideen mit zeitweiligen Gefängnisaufenthalten bezahlen, anders als die Bibliothek für Ausländische Literatur in der Sowjetunion, in der eine große Anzahl verdächtiger Intellektueller für Jahre vor der Perestroika Arbeit und Schutz fanden. Die Lebenskrise der Bibliothekare in der Bundesrepublik wurde von Rainer Strzolka traurig und komisch dokumentiert in: Der Bibliothekar – ein Monodrama, von den slowenischen Kollegen mit Vergnügen übersetzt.

Bibliotheken bildeten immer den Hintergrund kultureller Blüte, wie die Übersetzungsschulen in Toledo, die gleichzeitig die ersten Leihzentrale bildeten und damit die Klöster des frühes MA mit Wissen und Möglichkeiten des Studiums ausstatteten. Daher ist es kein Wunder, dass die Bibliothek von Alexandria vor einigen Jahren neu aufgebaut, zu einem nationalen Erbe Ägyptens wurde, die in der Revolution vor einigen Jahren von allen Bewohnern geschützt wurde, wie David Lankes in Erwarten Sie mehr, 2017 berichtete.

Es waren Bibliothekare, die im Hintergrund, sehr oft intensiv ihrer Aufgabe verpflichtet, in das Zentrum des Interesses rückten. Graue Maus oder Literaturluder, das Bild der Bibliothekarin in der Belletristik ausgewählter Länder nennt Cornelia Fix ihre 2008 erschienene BA- Arbeit. Dieser Trend wurde durch Veröffentlichungen und andere Medien verstärkt, die das Bild der Bibliothekarin zeichneten, sehr oft mit einer leicht negativen Tendenz, altmodische, nicht zeitgemäß, oft komisch. Hemdesusen, diesen Titel erhalten sie in einem Bericht über einen Kongress öffentlicher Bibliotheken in den 50er Jahren.

Veröffentlichungen und Kommissionen über das Berufsbild folgten auf Kongressen und Tagungen. Altmodischer Habitus bestimmten den Ton des Unzeitgemäßen dieser Berufsgruppe von der Kritik bis hin zur persönlichen Beleidigung. Als die Informationswissenschaft begann die Informationsvermittlung zu erobern und Ideen eines sich lohnenden Marktes das erste große staatliche Förderprogramm in der Bundesrepublik bestimmten, nivellierte sich in vielen Ländern weiter der Ruf der Bibliotheken zu veralteten unbrauchbaren Einrichtungen, besonders des Personals, das diesem neuen Zeitgeist und rapiden Entwicklung nicht gewachsen sei.

Der smarte Manager hielt Einfluss. Eingangs heftig beklatscht, wie der unglückselige Manager von Bertelsmann mit seinem Preisgesang auf die totale und kontrollierte Beherrschung der geistigen Welt, besonders der Musik durch das Internet in einer internationalen Tagung in Berlin in den neunziger Jahren.

Guten Tag haben Sie Bücher dagegen, dieses Tagebuch einer öffentlichen Bibliothek in Berlin-Marzahn zeichnet die unermüdliche Informationsarbeit seines Personals für jedermann bis hin Einrichtung von Schreibwerkstätten.

Und dann kam Corona !!! und bürdete alle Fehler der Vergangenheit, fehlende Informationsarbeit etc. Familien, Frauen, Kindern und der ärmeren Bevölkerung auf.

Folgen noch unbekannt.

Nun diese Satire.

Eine altbacken scheinende Beschreibung eines

Menschen, der diesen Beruf liebt und mit ihn tief zufrieden ist. Administrativen Aufgaben wie Rechnungslegung etc unterzieht er sich ohne Widerspruch. Nur die Absurdität der neuen Aufgaben einer smarten Managerin unter der Zerstörung seiner für die Bibliothek so wichtigen Kompetenzen erkennt er nicht. Oder doch???

Die neue Managerin erreicht schnell ihr Ziel. Sie wird auf eine neue Stelle in Brüssel berufen. Er wird ihr Nachfolger.

Wir wollen ihn nach Deutschland einladen für Lesungen und Begegnungen. Er spricht Deutsch. Die Diskussion über die Corona Krise zeigte deutlich, dass politisch das Potential der Bibliotheken nicht gesehen und eingesetzt wird.  Warum nicht? Versuchen wir es doch mit einer Satire:

Wir würden gerne Herrn Christer Hermansson zu einer Lesung/ Veranstaltung einladen und könnten einen Antrag auf Förderung der Reisekosten stellen. Wir brauchen einen Partner. Wer hat Interesse??? Angedachter Termin Ende Jan/Februar 2021.

Rufen Sie uns an unter 030-44739575 oder schicken Sie uns eine Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Kontakt: Telefonisch 030 44739675 oder per email: infoBitte melden unter 030 – 44739575 oder per email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder auch postal an die Verlagsadressse. Interesse??? bitte melden sie sich beim Simon-Bw-Verlag Tel. 030-44739575 oder per Email: info@simon -bw.de oder per email:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Fake News und wir. Neue Formen der Macht und des Wissens

Vor einer Dekade veröffentlichte die junge Bibliothekarin und Pädagogin Eva Homeyer Informationskompetenz in Grundschulen. Probleme und Perspektiven für Schüler und Lehrer ISBN 978-3-940862-03-7.Das Buch war hervorragend recherchiert, seht gut geschrieben und erhielt auch ausgezeichnete Kritiken. Es wurde nicht verkauft, daher nehmen wir an, dass es nicht gelesen wurde.       

Fake News, Propaganda und Desinformation im Digitalen Raum ISBN 978-3-945610-55-5 nennt Johannes Elia Panskus sein Buch, das auf der Büchermesse in Leipzig 2020 vorgestellt werden sollte. Eine Entwicklung von 10 Jahren im Vergleich zu dem Buch von Homeyer bei der Digitalisierung, ein Lebensalter, was eigentlich Fortschritte aufzeigen sollte und doch mit der Coronankrise das ganze Elend der Digitalen Entwicklung in diesem Land nur anhand dieser Publikationen vor Augen führt. Mangelnde Ausstattung mit hardware, wie eine fehlende Integration in den Unterricht, die die nicht wahrgenommene Verantwortung auf den Schultern einiger leidenschaftlicher nerds ablegte, die aber weder durch eigene Weiterbildung noch durch Unterstützung der Schulleitungen, mögen es die Schulen selber oder deren höheren Funktionen sein, umgesetzt wurde. Politische Digitalpakte helfen dann weniger, wenn nicht der Erwerb der digitalen oder Informationskompetenz als Zielvorgabe definiert und verfolgt wird.

Die Corona Krise brachte es an den Tag, als von heute auf morgen, Kinder mit Hilfe der elektronischen Medien unterrichtet werden sollten und es bedurfte dem Beispiel einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, in der der Unterricht wirklich de facto in dieser Art stattgefunden hat. – Ohne Eltern und ohne genervte Kinder. Der Ministerpräsident von Thüringen will weitere Lockerungen der Corona Verbote, um die Wut der Mitbürger und die Flut der Fake News einzudämmen. Was für eine Verwechslung von Ursache und Wirkung. Fake News sind nicht Folgen eine Wut, sondern Folgen mangelnder Ratio und wie die Familienministerin bei der montäglichen TV Sendung von hart aber fair sagte, die sogenannten digital natives können das Internet in ihrer Tiefe und Breite nicht nützen, es sind digitale Verbraucher, die Amazon jetzt einen Riesengewinn bescheren, aber nicht als Informationsquellen nutzen, die den fake News den Boden entziehen würden.

Mit der Aufklärung der Neuzeit bekam der Glauben an Teufel und Hexen neuen Auftrieb, manchmal auch genutzt von der Kirche, um Menschen in ihrem gehorsamen Unglauben zu lassen. Wenn die Kirche auch damals geglaubt haben mag, ihre Macht auf diese Art zu bewahren, es war ein Irrtum.  Der Staat von heute möge es die nationale, kommunale oder Länder-Ebene sein, deren Interesse dem Machterhalt oder Zuwachs gilt,  sie sollte diesen Irrtum nicht verfolgen. Es hört sich einfach an und verliert doch durch die Wiederholung jede Wahrheit. Fake News, irrige Ansichten lassen sich nicht durch einmalige Gespräche aus der Welt schaffen, sondern nur durch Informationen, den rechten Zugang zu ihnen und den Umgang mit diesen Werkzeugen. Mit zwischen Informationsflut und Wissenswachstum – Bibliotheken als Bildungs-und Machtfaktor der modernen Gesellschaft wies W. Umstätter schon vor Jahren auf diesen Paradigmawechsel in der Macht hin, und verknüpfte ihn mit der Forderung nach einer neuen Infrastruktur, auch den Wechsel und die neue Wertigkeit, die Information und Wissen mit sich brachte und bringt. Dies hat sich nun neu bewahrheitet. Corona bringt es an den Tag. Dies  und wurde nicht nur von einem Teilnehmer des unten genannten Hart aber fair in das Publikum getragen. Viele Mittel für die Lufthansa aber anscheinend immer noch keine für die Zukunft. Wie wird unsere Zukunft aussehen, wer wird sie sichern? Ungeklärte Fragen und keine Antwort.              

Unsere Autoren- eine Hommage des Simon-BW-Verlages

Der Simon-BW- Verlag wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Das ist nicht alt. Er ist immer noch der Benjamin im Vergleich zu vielen älteren und größeren Verlagen. Wir wollen auch die Schwierigkeiten kleiner selbstständiger Verlage durch keinen Bericht unseres Kampfes ums Überleben ergänzen, sondern wir wollen dem Fundus unserer Arbeit, unser Zentrum, unsere Überlebensbasis, den Quell unserer Freude in unserer täglichen Arbeit in den Mittelpunkt dieser Chronik stellen, unsere Autoren.

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Stephan Büttner

Wie sich die Informationswissenschaft in der digitalen Transformation behauptet

Zwei vielversprechende Ansätze, um sich immer wieder neu zu etablieren

Stephan Büttner (Hrsg.), Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses - Antworten aus der Informationswissenschaft, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2019.

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Information Literacy darf nicht nur ein Traum sein.

Open Access hieß die Devise, als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information Literacy wurde gefordert, damit alle nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als zwanzig Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Aktuell ist deutlich geworden, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch und Desinformationen verfälschen die Räume und Träume vom barrierefreien Open Access.

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Fake- News: - Fehl Falsch- und Desinformation

Open Access war die Devise , als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information literacy wurde gefordert, damit alle mit dem neuen Medium umgehen konnten und  nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als 20 Jahren, damals  belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet . Die Gegenwart zeigt uns heute, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl Falsch und Desinformationen  verfälschen die Räume und Träume des Open Access. Schon Stefan Hauff-Hartig. Fehl-Falsch und des Informationen aus dem Blickwinkel der Informationswissenschaften weist auf die Kenntnis des Kontext  hin, um den Wahrheitsgehalt von Informationen zu entschlüsseln. Willi Bredemeier erfragt von Spezialisten und Hochschullehrern Die Zukunft der Informationswissenschaft, hat die Informationswissenschaft eine Zukunft ? Gegenwart und Zukunft, Perspektiven, Forschungsfronten und Fragen an die Folgen der Digitalsierung sind nur einige Punkte der hier vorgelegten Untersuchung .Mit dem Sammelwerk  Die digitale  Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses hat Stefan Büttner Antworten aus der Informationswissenschaft auf die Umwälzungen der Digitalisierung herausgegeben. Nicht nur Bibliotheken und Forschung sondern auch Museen und  Institutionen stehen  vor Forderungen einer neuen Zusammenarbeit, die von jedem digital literacy erfordert und damit die  früher geforderte information literacy dramatisch weiter entwickelt.  Diese information literacy wird nur von einigen Institutionen und Wissenschaftlern  gefordert, sondern von jedem einzelnen, damit er nicht verständnislos in einer Welt verloren geht, die sich dramatisch verändert.

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Die andere Bibliothek

BRIEF AN EINE ALTBEKANNTE von Richard David Lankes – als Vorbereitung für den Bibliothekartag Juni 2018 in Berlin und für die Zukunft

Liebe Bibi,

Du bist nicht die einzige Bibliothekarin, die sich Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken macht. Entweder bekommt man gesagt, Büchereien seien altmodisch oder überflüssig geworden, oder man hört, dass Bibliotheken in Zukunft eher als eine Art Stadtteilzentrum fungieren sollen, eher Erlebnisse als Lesefähigkeit und Bildung vermitteln sollten. Du fragst Dich, warum wir eigentlich ein neues Bibliothekswesen benötigen, das die Rolle der Büchereinen - und Deine eigene - in einer modernen und diversen urbanen Gesellschaft neu denkt.

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