Erwarten Sie mehr
Hrsg. von Hans- Christoph Hobohm
Aus dem Amerikanischen von Erda Lapp und Willi Bredemeier.
2017
ca. 100 Seiten
ISBN 978-3-9456-10-32-9
19.50
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Hrsg. von Hans- Christoph Hobohm
Aus dem Amerikanischen von Erda Lapp und Willi Bredemeier.


Wie sich Bibliotheken unersetzlich machen! Die Bibliothek als Diener ihrer
Community –wie sich Bibliotheken im engen Zusammenwirken mit
ihren Nutzern und Stakeholdern aus eigener Kraft aus der Krise ziehen.
Mit vielen Beispielen aus den USA . Eine Kampfschrift für die Belange
der Bibliotheken. Plichtlektüre!

Rezensionen

Erwarten Sie mehr!

Verlangen Sie bessere Bibliotheken in einer komplexeren Welt

Im ersten Moment mag man ob des Titels zusammenzucken. Was denn noch alles? Bibliotheken, schaffen beileibe nicht immer das Notwendigste, Bescheidenheit ist eine Zier, und überhaupt, Hurra, sie leben noch. Oder auch in dieser Lesart: Ganz genau, Bibliotheken erwarten sich tatsächlich mehr! Doch unabhängig davon, wie man den knappen Titel interpretieren möchte … mit „Sie“ sind nicht sie selbst gemeint. Dass die Zielgruppe eine andere sein könnte, lässt sich vage aus dem Untertitel erahnen. Im Vorwort des Herausgebers Hans-Christoph Hobohm löst sich sodann auf, dass die Hauptadressaten die übergeordneten Träger von Bibliotheken seien. Diesen seltenen Ansatz und Zugang kennen wir zuletzt aus einer knapp und trocken formulierten 21-seitigen Beilage „Grundlagen für gute Bibliotheken“ innerhalb der im Vorfeld heiß diskutierten, gefällig bebilderten Broschüre „21 gute Gründe für Bibliotheken“ (BID, Bibliothek & Information Deutschland, 2009).

Nein, mit „gut“ hat der Autor, Professor für Bibliothekswissenschaften aus South Carolina, USA, nichts (mehr) am Hut. „Dieses Lied wird kein Liebesbrief an Bibliothekare sein“ (S. 24). Bibliotheken müssen (und er gebraucht dieses unregelmäßige Verb regelmäßig) besser sein, besser noch: großartig! Doch was ist „großartig“? Nun, das kann man nehmen, wie man will. „Der Unterschied zwischen einer guten und einer großartigen Bibliothek kann subtil sein“ (S. 168). Wer hier ratlos blickt, sei beruhigt. Lankes bietet reichlich Hinweise und gibt Beispiele, wie wir besser werden könnten. Dies in sprachlich aufrüttelnden, intensiven Bildern (Hut ab vor Erdmute Lapp und Willi Bredemeier, deren Übersetzungsleistung sicherlich keine einfache war), beginnend mit der bewegenden Schilderung der Ereignisse des Arabischen Frühlings mit der sich die Hände reichenden Menschenkette als Schutz gegen die Plünderung der Bibliothek von Alexandria.

Mitreißend fürwahr, es fällt zugegebenermaßen schwer, sachlich zu rezensieren. Doch bevor ich endgültig dem (typisch amerikanisch) eindringlichen Sog des Werkes erliege, blitzschnell noch eine praktische Frage nebst pragmatischer Antwort: Sollte tatsächlich das Wagnis eingegangen werden, die anvisierte Zielgruppe – in deutsche Verhältnisse übertragen sind dies Finanz- und Entscheidungsträger bzw. die Vertreter der Kommunen und Gemeinden, der Länder, des Bundes und der Kirchen – auf Lankes’ Mehrforderungen

aufmerksam zu machen? Dem oder der Bürgermeister/in oder Kanzler/in oder dem Kirchenvorstand dieses schmale Büchlein auf den Nachttisch zu legen, gar mit der Widmung „Freundlichst überreicht von Ihrer Bibliothek – träumen Sie schön von uns!“?

Ich meine: „Ja, nur Mut!“ Auch, wenn vieles, was der „leidenschaftliche Anwalt für Bibliotheken“ in immer neuen Schleifen und Wendungen ausführt, unsere Bibliotheken im deutschsprachigen Raum bereits erfüllen. Beispielsweise die Forderungen nach Transparenz und den Zugang zu Wissen und Bildung, um Demokratie aufrechtzuerhalten (S. 44). Bibliotheken sind als Teil der Community ein Symbol, Freund und Lehrer (S. 169), oder etwas konkreter: vermitteln Recherchefähigkeiten und helfen, die an sie herangetragenen Probleme zu lösen.

Ja, da können wir mithalten. Ich meine, es versteht sich für manche Bibliotheksverantwortliche von selbst, ihre Bibliothek als aktiven und kreativen Lernraum, gerne auch mit 3D-Drucker, Makerspaces oder als FabLabs (S. 145) zu gestalten, oder öffentliche Gaming-Turniere zu veranstalten, oder an ihren Hochschulbibliotheken eine Schulung bedarfsorientiert und „just in time“ anzubieten.

„Großartige Bibliotheken experimentieren mit neuen Diensten und fürchten sich nicht vor einem raschen Scheitern“ (S. 160). Nun, das dann doch ein wenig seltener. Aber sehr viele unserer hiesigen Bibliotheken können sich an den oben genannten Beispielen messen. Wenngleich einiges davon eher nebenbei im Alltagsbetrieb und ohne größeres Aufsehen, zuweilen spontan und ohne Einbindung in postulierte Konzepte. Konzepte? Nein, wir brauchen „Missionen“, so im Kapitel 3 ausführlich ausgeführt und – ich will ehrlich sein – von mir mit Stirnrunzeln begleitet. Doch bin ich mit dem Autor einer Meinung: Wir täten gut daran, es deutlicher auszusprechen, beispielsweise so: „Bibliotheken sollten Orte der Wissenserstellung, des Partizipierens an Wissen sein, nicht nur des Konsums und des Ausleihens von Büchern. Die Funktionen der Bibliothek sollten über ihre Mauern hinausreichen.“

Über die Mauern hinausreichen … ich will das eben mal aufgreifen. Wir konzentrieren uns hier in Deutschland derzeit sehr stark auf die Diskussion von Bibliotheken als „Dritter Raum“ bzw. „Dritter Ort“. Darum, um uns mindestens physisch ein gewichtigeres Standbein zu verschaffen, nachdem uns einiges an virtueller Dienstleistungskonkurrenz vermeintlich unsere Daseinsberechtigung zu erschüttern droht. Doch mit Onleihe, sozialen

Bücherdiensten und der Mit- und Zuarbeit in punkto Lernplattformen gehen wir durchaus über unsere räumlichen Grenzen hinaus. Und hier erfährt sogar der selbstzufriedenste Leser noch etwas Neues, wenn auch ziemlich weit hinten im Buch. Da geht es zwar mehr um die Gleichberechtigung des Zugangs zu allen Diensten der Bibliothek, aber sei’s drum, ist ja auch wichtig und nicht immer in dem Maße erfüllt, wie es sein könnte, … wie gesagt: „Fordern Sie mehr!“

So leiht die Bibliothek in New York City an ihre Nutzer Internet Hot Spots über mehrere Monate aus (S. 115). Der Hot Spot ist ein kleines Gerät, welches über das Telefonnetz eine Funknetz-Verbindung mit dem Internet herstellt. Gute Idee, ergänzend zur Ausleihe von Tablets und E-Reader. Auch diese Gerätschaften erwähnt Lankes, und so neu ist das bei uns in Deutschland ja nun nicht mehr. Auch nicht mehr so ganz neu, doch möglicherweise noch nicht überall angekommen ist die Einstellung zum Wissen. Dem Wissen räumt der Autor einen sehr hohen Stellenwert und damit viel Platz in seinem Werk ein.

„Diese neue Auffassung von Wissen als etwas aktiv Geschaffenem ist vermutlich die größte Veränderung in unseren Erwartungen, die wir vollziehen müssen, um die Bibliotheken zu bekommen, die wir verdienen.“ (S. 71). Und: „Die Bibliothek als „aktive Förderer von Wissen“. (S. 91). Gleiches Horn: „Sie soll „Bürger auf viele Weisen inspirieren, ihre Lernmotivation aufzubauen, Wissen zu erstellen und letztlich die Gesellschaft zu verbessern.“ (S. 90) oder auch: „Verbesserung der Gesellschaft durch die Förderung der Generierung von Wissen in der Community“ (S. 69). Verbessern? Selbsternannte Weltverbesserer gibt es genug, das deucht mir oberlehrerhaft und anmaßend. Auf S. 96 werde ich beruhigt: „Letztlich wird lokal definiert, was Verbesserung innerhalb der Gesellschaft bedeutet“. Ja, damit kann ich leben.

Viel ist von der sogenannten Community die Rede. Sie setzt sich unterschiedlich zusammen, mal orts-, mal themen-, mal zeitgebunden, und natürlich können wir verschiedenen Gemeinschaften gleichzeitig angehören. Das Mitglied einer Community jedenfalls soll in der Bibliothek „seine Stimme zu Gehör (zu) bringen und die Einrichtung (zu) verbessern.“ So, so. Wer soll denn jetzt nun verbessern – wir oder die? Und: Erwarten wir nicht da ein wenig zu viel von unserer Community, werter Herr Lankes?

Hin und wieder – nein, sehr oft sogar – überlegte ich mir beim Lesen, ob die Zielgruppe nicht viel eher die Menschen ganz allgemein sein sollten, also eben jene vielgepriesene

Community, denen wir dieses Buch in die Hand drücken müssten. Denn viele Angebote und Services erfüllen Bibliotheken doch bereits jetzt schon, siehe oben. Diese sind nur noch nicht ins Bewusstsein der überwiegend konsumierenden statt agierenden Mitmenschen gedrungen, aller unserer mittlerweile recht professionellen Öffentlichkeitsarbeit zum Trotz. Und trotzig möchte ich anführen: „Wir Bibliotheken sind für die Menschen da, nicht sie für uns!“ Lange Jahre des Umkehrdenkens sorgten dafür, dass Bibliotheken einen Weg fanden vom behördlichem Gängelband hin zu wahren Dienstleistern. Sie sorgten dafür, dass wir heute Kunden haben und keine Benutzer mehr. Indes erfahren wir nun von Lankes:

„Bibliotheken ‚für die Menschen’ ist die alte Sicht, auf Bibliotheken zu schauen. Sie sieht die Bibliothek als getrennt von der Community und als ein Anbieter von Dienstleistungen, die die Community nutzen und dafür zahlen, aber auch ignorieren und ablehnen kann. Die neue Sicht sieht hingegen eine Bibliothek der Menschen. Die Community ist ein integraler Teil dessen, was die Bibliothek tut, und die Bibliotheken sind mit Haut und Haaren Mitglieder dieser Community. Bibliothekare gehen ihrer Arbeit nach, nicht weil sie Dienstleister sind oder ein Produkt herstellen, das zu konsumieren ist, sie arbeiten vielmehr daran, die Community besser zu machen. Mitglieder der Gemeinschaft unterstützen die Bibliothek nicht, weil sie zufriedene Kunden sind, sondern weil die Bibliothek ein Teil dessen ist, was sie sind“ (S. 64). Was konkret bedeutet:

„… die Aufgaben der Bibliothek auf der Grundlage von Bedürfnissen vor Ort zu definieren und lokale Definitionen, was die Gesellschaft verbessert, zu liefern“. Was mehr und anders ist als „… die Definition einer Bibliothek als eine Gruppe von Funktionen, die für alle Communities auf dem Globus gleichermaßen gelten.“ (S. 118)

Genau das frage ich mich, beim Lesen zunehmend unruhiger werdend: Von welchen Menschen, welcher Community spricht der Autor eigentlich? Sollten wir denn nicht viel mehr ein „Mehr“ von unserer Community fordern, statt von unseren Bibliotheken? Die Bibliotheken scheinen mir vorbereitet genug zu sein. Allein, es fehlt an fordernden „Mitgliedern“. Zum Begriff „Mitglieder“ später mehr, und dieser Verweis auf „später“ mag ganz im Sinne des Autors zu sein, der sich dessen meines Geschmacks nach ein wenig zu oft befleißigt und meine Unruhe bzw. Neugierde damit zu schüren weiß.

Apropos unruhig … wir erfahren beim weiteren (geduldigen) Lesen von einer „Unruhigen Bibliothek“ (S. 71) in Georgia und ihrem Projekt „Media21“. Mag auch das Projekt, in dem es um eine semesterlange partizipierende Lernerfahrung geht, als solches interessant sein, vielmehr noch staunt man über seine Evaluierung „mit Blick auf die […] Standards des Amerikanischen Verbandes der Schulbibliotheken für Lernende des 21. Jahrhunderts“. Diese Standards datieren übrigens vom Oktober 2012. Nun, unser Manifest für Schulbibliotheken datiert auf das Jahr 2001, ist also etwas älter (und gar Vorreiter?). Doch immerhin können wir auf diese UNESCO-Grundlage verweisen. Allerdings nicht auf einen deutschlandweiten Schulbibliotheksverband, und noch weniger auf Preise, die dieser vergeben könnte. So verlieh der amerikanische Verband der Schulbibliotheken einen Preis für – nein, nicht für die Bestände oder Räume oder gar Gebäude! – „sondern für die Lernerfahrungen der Schüler“ mit Hilfe eines selbstständig agierenden „Schüler-iTeams“ (S. 72).

Kurz gesagt: Was unseren Bibliotheken fehlen könnte, so meine Inspiration beim Lesen – und das ist auch der wichtigste Gewinn der Lektüre – sind noch überzeugendere Konzepte des Ermöglichens von Wissen. Hier ein paar Beispiele: „Bibliotheken müssen wie Küchen werden –“, greift der Autor die Bibliotheksberaterin Joan Frye Williams auf (S. 75). „– aktive Orte, wo viele Zutaten (Informationen, Quellen, Talente) zu einer aufregenden neuen Kreation vermischt werden, die mit anderen geteilt werden kann“. Oder sie sollten funktionieren wie iPhones. Die grundlegenden Dienste werden gestellt, mit deren Hilfe das Gewünschte in Form von Apps bedarfsorientiert zusammengebastelt wird (S. 118). Daraus folgt: „Ihre Bibliothek sollte Ihnen nicht sagen, was Sie tun können (lesen, ausleihen, suchen), sie sollte Ihrer Community einen Werkzeugkasten zur Verfügung stellen, damit sie selbst bauen, was die Gemeinschaft braucht (S. 119). Auch die Idee der Bibliotheksmitarbeiter als „menschliche Plattform“ (Kapitel 6) benötigt ein völlig neues Konzept, losgelöst von der bisherigen Einteilung in „Benutzerdienste“ und „Technische Dienste“.

Ob man sich an Lankes’ Mehrforderungen reiben möchte oder sie goutieren, oder ob man die zumeist aus den USA angeführten Beispiele auf Deutschland und Europa übertragen, sie zumindest als Anregung verstehen oder gar zum „Schnee von gestern“ erklären mag – alles ist möglich. Viele werden sich berührt und motiviert, zumindest jedoch sehr nachdenklich und – ja! – (heraus)gefordert fühlen.

Für manche wird das Buch eine Offenbarung bedeuten und Begeisterung auslösen, oder wenigstens auf die Suche nach der eigenen Mission und zu (eventuell beim zweiten Lesen) bewusst vorgenommenen Veränderungen führen. Einige werden den Kopf schütteln („... dass Sie als Eigentümer die Bibliothek übernehmen“ (S. 153), Politisches Engagement zeigen) und sogar ärgerlich werden, so bei Lankes’ Merkmalen „schlechter Bibliotheken“ im Kapitel 8 seines Aktionsplans, aber auch ob der Forderungen (Obdachlose einbinden (S. 82), Gründerzentren (S. 125), an öffentlichen Debatten teilnehmen (S. 103), Umschulungen anbieten (S. 155) sowie seiner stellenweisen „Nichtübertragbarkeit“ in deutsche Verhältnisse – man denke nur an mögliche Loyalitätskonflikte im Öffentlichen Dienst. Vermutlich werden wir in Deutschland auch weiterhin keine „Mitglieder“ als Bibliothekskunden anführen, die auf die Begründung fusst: „Sie [die Kunden] wählen, legen die politische Linie fest und unterstützen“.

Als Diskussionsgrundlage hingegen ist jedes einzelne der acht Kapitel bestens geeignet. Auch finden sich zahlreiche zitierfähige Passagen (Qed!), die aufhorchen lassen und für reichlich einleitende Zitate in Vorträgen sorgen werden, wie die Rezensentin bereits zum Bibliothekartag 2017 bemerken konnte.

Möge also das Buch auf allen Nachttischen seinen Platz finden, ob unter Bibliothekswesen, ihrer Community oder ihren Trägern. Ruhig schlafen wird Lankes’ Plädoyer für großartigere Bibliotheken jedenfalls niemanden lassen. Es weckt den Wunsch nach Austausch und nach einer neuen Dimension des Miteinanders. Der Wunsch nach Zugehörigkeit ist schließlich so alt wie die Menschheit. Es ist auch für Bibliotheken an der Zeit, über den reinen Dienst an der Community hinauszuwachsen und stattdessen mit ihr zusammenzuwachsen, also ein gleichwertiger – ach, was soll’s ... frei nach Lankes fordern wir gleich mehr! – ein zentraler Teil von ihr zu werden und – ja, nur zu! – ein „Sprecher in der großen Welt“ (S. 115). Erwarten wir mehr!

Ilona Munique, 21.08.2017

Aktuelles

Warum gilt Aufklärung als fundamentalistisch? und weiter: Aufklärung und Freiheit sind Ideen, die an ihren Ansprüchen scheitern.

Hanna Arendt, der glühenden Verteidigerin der Freiheit Die Freiheit, frei zu sein, München 2018, hätten diese Aussprüche nicht gefallen, wohl aber eventuell den Wahlbeteiligten im Osten der deutschen Republik, die heute mit den immer deutlicher werdenden Brüchen zwischen Ost- und Westeuropa konfrontiert werden.


Der Tagesspiegel vom 30. Mai: „Das Gewand der Königin. Europa Regina zeichnet ab dem 16. Jahrhundert eine Westorientierung der Mächte“, die auch nach dem Abbau der festen Grenzen nach 1989 wieder zum Vorschein gekommen sind. Der Optimismus, mit dem die EU-Erweiterung begann, ist einer Grundskepsis gewichen, die nicht allein dem wirtschaftlichen und sozialen Bruch galt, der dieser Erweiterung folgte, sondern auch keine europäische Einigung unmittelbar einleitete. Liberalismus und Demokratie haben kein unmittelbares Erbe in den Staaten des ehemaligen Ostblocks und haben dem Demokratieüberdruss, dem Nationalismus und dem Aufkommen neuer Potentaten von Urban bis zur Pispartei in Polen den Boden bereitet. Aber nicht nur im Parteiengeflecht des ehemaligen Ostblocks schälen sich neue Machtpositionen heraus. Auch die Kräfteverhältnisse innerhalb der EU können sich verändern und damit Erneuerungen in Administration und Gesellschaft notwendig machen. Peripherie und Zentrum stehen sich gegenüber und bieten gleichzeitig die Identität allen den Staaten an, die jetzt, und eventuell vorübergehend, oligarchische Strukturen bevorzugen und damit alle Staaten entlasten, die sich mit Freiheit und Verantwortung überfordert fühlen.


Dabei war der Kampf dieser Staaten um Freiheit und europäische Zugehörigkeit nicht trivial. Der Garten der zerbrochenen Statuen (ISBN 978-3-945610-40-4) zeichnet den erschütternden Weg, den die Zensur durch die Bildung des russischen Staates genommen hat. Wir gehen davon aus, dass dieses Buch in der Gegenwart eine Fortsetzung schreibt. Wege der Hoffnung (ISBN 978-3-945610 20-6) ist nicht nur die Lebensgeschichte eines litauischen Intellektuellen, der sein Glück in den USA gemacht hatte, es ist gleichzeitig eine Hommage an den unbekannten deutschen Soldaten, der einst die Familie aus dem brennenden Dresden rettete. Immer wieder scheint der Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung diese Erzählungen zu leiten, aber gleichzeitig sind die Kräfte für den Aufbau einer Demokratie bzw. Liberalität nicht sichtbar. Der Wunsch nach wirtschaftlicher Erholung und Beteiligung ist mit Händen zu greifen, es fehlt aber der Wille zur Teilhabe und Gestaltung jenseits der Schilderung der persönlichen Notlagen und Ängste.

Aufklärung war die Grundlage des preußischen Staates, als der versuchte, sich aus dem Geflecht eines Obrigkeitsstaates zu befreien. Dies ist ihm sehr spät, wenn überhaupt, gelungen. Deshalb sollte die Bundesrepublik schon aus dieser Tradition heraus, in ihrem Erbteil Verständnis für die autoritären Strukturen der europäischen Staaten an der Peripherie aufbringen, aber auch gleichzeitig alle Möglichkeiten mit entwickeln, die eine solche politische Zukunft verhindern.   

Mythos Lesen - Mythos Buch

Mythos Lesen - Mythos Buch

Machen Sie mit!

www.nationaler-lesepakt.de, eine Zusammenarbeit der „Stiftung Lesen“ und dem „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“, ist der Wochenzeitschrift Die ZEIT eine ganze Seite wert.

„Lesen- eine wahre Superkraft. Lesen eröffnet uns die Welt. Und unseren Kindern eine gute Zukunft. Dafür machen wir uns stark. Das Ganze illustriert mit einem Jungen, verkleidet als Superman und somit passend für die Zielgruppe nicht nur der Eltern, sondern auch der „Jungen, die in der Gruppe der Nichtleser besonders zahlreich vertreten sind.“

Der Nationale Lesepakt wartet mit einem großen Angebot an Veranstaltungen und Preisen auf. Er liest sich wie das Who is Who aller Bücher- und Lesemenschen, die sich in diesem Land kraft ihres Amtes, ihrer Überzeugung und ihrer Ängste zusammengefunden haben, zu einem Zeitpunkt, da das geschriebene oder gedruckte Wort immer weiter an Resonanz verliert, um den Mythos Lesen und dem Buch die Stellung zu erhalten, die diese offensichtlich verlieren.

Der nationale Lesepakt ist die gebündelte Kraft eines ganzen Landes, dem Lesen die Superkraft zu bewahren bzw. möglichst zurückzugeben. Es ist nicht die erste Initiative für das Lesen. Als vor fast 50 Jahren die US-amerikanischen Wirtschaft in einer Untersuchung die Höhe der Mittel feststellte, die ihr durch die fehlende Lesefertigkeit ihres Personals in Handwerk und Betrieben verlorengingen, begann sie eine Kampagne, die an Umfang und Tiefe der jetzigen hier in Deutschland in nichts nachstand. Obwohl sie großzügig Mittel gerade in die kommunalen Bibliotheken spülte, war der Erfolg damals in den USA begrenzt. Steht dem deutschen Lesepakt jetzt ein vergleichbarer Misserfolg ins Haus?

Als vor fast zwanzig Jahren eine Untersuchung über den Einsatz digitaler Informationsmittel in der Lehre die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machte, dass die Lehre in analogen Bahnen verlief und die Studenten in dem Einsatz digitaler Informationen nicht geschult wurden und diese entsprechend auch nicht nutzten, wurden diese Studien weder gelesen noch in Handlungen umgesetzt. Auch wenn die heute Studierenden die Veranstaltungen mit dem Smartphone bzw. Tablet begleiten, so liest sich das gegenwärtig auf allen Kanälen geäußerte Bedauern über das digital rückständige Deutschland wie eine Abschrift dieser früheren Studien.

Die von Klaus Benesch vorgelegt Untersuchung über Buchkultur und Geisteswissenschaften im Informationszeitalter (Bielefeld 2021) nimmt einen anderen Standpunkt ein als die dem Lesepakt zugrunde liegenden Überlegungen. „Wie wir lesen“ versucht die Geschichte und Rahmenbedingungen, und damit den verschiedenen Ausprägungen dieser Kulturtechnik, auf den Grund zu gehen. Benesch fasst damit nicht nur Untersuchungen und Ergebnisse der früheren Jahre aus verschiedenen Institutionen und Kongressen zusammen, sondern gibt durch den Hinweis, dass die Krise des Buches bereits in der Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Ausgang nahm, als das Buch sich nicht nur einer elitär-gutbürgerlichen Gruppe öffnete, sondern immer mehr zum Allgemeingut „verkam“, dem Thema eine ganz neue inweis, Blickrichtung.

Mit der kurzen Erwähnung, dass gegenwärtig die Lesekultur der Jugend völlig andere geschult ist als vor Jahren, dass es also sein kann, dass wohl gelesen, aber anders und anderes gelesen wird, zeigt die Notwendigkeit zur Änderung der Blickrichtung.

Es kann ja sein, dass die Angebote, die heute gemacht werden, wohl eine leicht pessimistische Haltung gegenüber dieser Kulturtechnik verstärken, aber damit der Lesemotivation der Jugend nicht förderlich sind. Warum, fragt man sich, werden die Ergebnisse der Bundesligaspiele nicht nur gelesen, sondern auch im Gedächtnis verankert?

„Lauschen und Lesen“, deren Gedichte einer Veranstaltung einer kleinen Jazzgruppe dienten, zeigte, wie man Lesen und Hören oder Hören und Lesen an den Mann bringen kann. Es ist ein Umdenken gefragt, damit wieder gelesen wird oder besser noch, damit wir den richtigen Eingang zum Lesen wieder finden.

Aktuell ist Stille. Wir planen für die Zukunft

Die hoch angesiedelte Konferenz Digitale Wissenschaft (Stand und Entwicklung digital vernetzter Forschung in Deutschland 20.09.2010 in Köln, OPUS 4 | Digitale Wissenschaft - Stand und Entwicklung digital vernetzter Forschung in Deutschland (hbz-nrw.de) endete mit dem Schlusswort: „ … dass uns bei all den Diskussionen ... derzeit noch keine echte, d.h. virtuelle, Alternative zu einer Tagung eingefallen ist, kein Tool, keine Technik, die das gemeinsame Diskutieren und Erleben, die viel zitierten Gespräche in der Kaffeepause ersetzen kann …".

Bibliotheken haben sich relativ spät auf ihre Aufgabe als Zentrum der Kommune besonnen. Sie haben sich als Bücherschrank für jedermann, als Lernort und als Bildungseinrichtung definiert, ohne diesem Anspruch wie Karsten Schuldt nachwies, praktisch nachzukommen. Erst der in deutscher Übersetzung publizierte Aufruf von David Lankes, „Erwarten Sie mehr“, der ein lebhaftes Echo in der Kulturstiftung der Länder fand, wies der Bibliothek die Aufgabe zu, Mittelpunkt der Kommune zu sein. (s.a. „Die andere Bibliothek - Brief an eine Altbekannte“ unter Die andere Bibliothek - Brief an eine Altbekannte - Magazin 30 | Kulturstiftung des Bundes (kulturstiftung-des-bundes.de). Dabei wurde diese hier angesprochene Kommune weder rechtlich noch politisch eingegrenzt: Menschen, die sich nachbarschaftlich, mit einer Aufgabe, regional oder lokal, vernetzen wollen, sollten die Bibliothek als Zentrum ihrer Kommune ansehen. Mit dieser Aufgabe wurden auch die über die Entwicklung der letzten Jahrhunderte in den Bibliotheken getroffene Einteilung in Öffentliche oder Wissenschaftliche oder welche Unterschiede auch immer herausgestellt und gewünscht waren, in die zweite Reihe verwiesen.

„Im Schnittpunkt von Buchökonomie und Buchkultur stehen die Auswirkungen der Digitalisierung“, sagt die Professorin der Erlanger Buchwissenschaft Ursula Rautenberg. Es sieht aber zurzeit so aus, als ob dieser Schnittpunkt verloren zu gehen droht, weil die Angebote derzeit nur aus Digitalierungsvorhaben bestehen: mögen es Konferenzen und andere digitale Treffen, Fortbildungen oder Informationsangebote sein. Es war eine sehr mutige Entscheidung, die Buchmesse in Leipzig im Frühjahr 2021 abzusagen, weil, wie Oliver Zille es sehr klar ausdrückte, eine Messe eine Begegnung auf den verschiedenen Ebenen erfordert und dieses digital nicht möglich ist. Dem stimmen wir zu, obwohl uns diese Absage aus vielen Gründen sehr geschmerzt hat.

Was wird aus einer Buchwissenschaft ohne Buch?“ fragt die Erlanger Buchwissenschaft. Und wir können uns nicht des Eindrucks erwehren, dass die Vorherrschaft des Digitalen, dem sehr oft die Aura des Modernen anhaftet, durch die Aufholjagd des Buches in kleinen Buchläden leichte Risse bekomme hat. Auf der Ebene des Politischen hat dies Sorge auslöst, wie die Gründung eines nationalen Lesepaktes (Lesen eröffnet uns die Zukunft. Und unseren Kindern eine gute Zukunft. Dafür machen wir uns stark) zeigt. Dabei findet die Gründung dieser Stiftung ihr Pendant in Russland, getragen von ähnlichen Sorgen, dass die Beschäftigung mit einem Buch und einer Geschichte wohl andere Teile unseres Gehirns anspricht als eine permanente Beschäftigung mit elektronischen Nachrichten. Dies sagen wir hier auch angesichts einer permanenten pädagogischen Bedrohung der Kinder durch übermäßigen Fernsehgenuss bzw. Bildschirmkonsum in der Vergangenheit, der sich jetzt als erforderlich erweist.

Wie sehr Bücher zum guten analogen Leben beitragen können zeigen u.a. „Guten Tag - haben Sie Bücher“, dieses kleine Büchlein, das das Leben in der Stadtbücherei Marzahn nachgezeichnet hat, und sich als Bestseller erwies, wie auch die sanfte Satire „Ich bin ein Bibliothekar“ über einem Bibliothekar, der seinen Beruf als Partner des Lesers über alles liebt und aufgeben soll, zugunsten eines unnötigen Programms intellektueller Beschäftigung.

„Verantwortung für alle“ lauten jetzt schon die Forderungen, die auf tiefgreifende soziale und ökonomische Veränderungen hinweisen, die uns das Abflauen der Epidemie und ein Ende der Stille bringen werden. Den Bibliotheken wird dabei eine große Verantwortung zufallen, die sie auch einfordern sollen. Mit dem Sammelwerk: „Bibliotheken.Wegweiser für die Zukunft. Projekte und Beispiele“ zeigen sie, dass sie das können, man muss sie nur lassen und fordern (erscheint im 2. Halbjahr 2021). 

Rainer Kappe

Kollege, Freund und Berater - RIP

Als das Deutsche Bibliotheksinstitut zu Begin des neuen Jahrhunderts unterging, versuchte Rainer Kappe in dem Chaos zu retten, was noch zur retten war und den vielen Kollegen wenigstens den Hauch einer Zukunft zu vermitteln. Er selbst erhielt eine gute Zukunft im Jüdischen Museum. Dort sahen wir uns wieder. Er war zusammen mit anderen Autor und Herausgeber für Das Tagebuch des Klaus Seckel. ISBN 978-3-940862-14-3. Er beriet den Simon Verlag für Bibliothekswissen während des schwierigen Beginns seiner Tätigkeit und illustrierte einige der neuen Publikationen.  Rainer Kappe begleitete uns über viele Jahre. Wir werden ihn nie vergessen.

Ich bin ein Bibliothekar

Gotthold Ephraim Lessing war einer. Er gab der Wolfenbüttler Bibliothek das Gesicht eines Lern- und Wissenszentrums. Antonio Panizzi formte das British Library Museum zu der effektiv arbeitende British Library um und gab ihr ein prägendes Gebäude. Benjamin Franklin mit seinen Vorschlägen zur Systematik förderte die Gründung öffentlicher Bibliotheken in Frankreich und Gallardo legte die ersten Grundlagen für ein von Aufklärung und Liberalismus getragenem Bibliothekswesen in Spanien. Leider musste er diese Ideen mit zeitweiligen Gefängnisaufenthalten bezahlen, anders als bei der Bibliothek für Ausländische Literatur in der Sowjetunion, in der eine große Anzahl verdächtiger Intellektueller für Jahre Arbeit und Schutz vor der Perestroika fanden. Die Lebenskrise der Bibliothekare in der Bundesrepublik wurde von Rainer Strzolka traurig und komisch dokumentiert in: Der Bibliothekar – ein Monodrama, von den slowenischen Kollegen mit Vergnügen übersetzt.  

Bibliotheken bildeten immer den Hintergrund kultureller Blüte, wie die Übersetzungsschulen in Toledo, die gleichzeitig die ersten Leihzentralen bildeten und damit die Klöster des frühes MA mit Wissen und Möglichkeiten des Studiums ausstatteten. Daher ist es kein Wunder, dass die Bibliothek von Alexandria vor einigen Jahren neu aufgebaut, zu einem nationalen Erbe Ägyptens wurde, die in der Revolution vor einigen Jahren von allen Bewohnern geschützt wurde, wie David Lankes in Erwarten Sie mehr, 2017, berichtete.

Es waren Bibliothekare, die im Hintergrund, sehr oft intensiv ihrer Aufgabe verpflichtet, in das Zentrum des Interesses rückten. Graue Maus oder Literaturluder - das Bild der Bibliothekarin in der Belletristik ausgewählter Länder nennt Cornelia Fix ihre 2008 erschienene BA-Arbeit. Dieser Trend wurde durch Veröffentlichungen und andere Medien verstärkt, die das Bild der Bibliothekarin zeichneten, sehr oft mit einer leicht negativen Tendenz, altmodisch, nicht zeitgemäß, oft komisch. Hemdesusen, diesen Titel erhielten sie in einem Bericht über einen Kongress öffentlicher Bibliotheken in den 50er Jahren.

Veröffentlichungen und Kommissionen über das Berufsbild folgten auf Kongressen und Tagungen. Altmodischer Habitus bestimmte den Ton des Unzeitgemäßen dieser Berufsgruppe von der Kritik bis hin zur persönlichen Beleidigung. Als die Informationswissenschaft begann, die Informationsvermittlung zu erobern, und Ideen eines sich lohnenden Marktes das erste große staatliche Förderprogramm in der Bundesrepublik bestimmten, nivellierte sich in vielen Ländern weiter der Ruf der Bibliotheken zu veralteten unbrauchbaren Einrichtungen, besonders des Personals, das diesem neuen Zeitgeist und rapiden Entwicklung nicht gewachsen sei.

Der smarte Manager hielt Einfluss. Eingangs heftig beklatscht, wie der unglückselige Manager von Bertelsmann mit seinem Preisgesang auf die totale und kontrollierte Beherrschung der geistigen Welt, besonders der Musik, durch das Internet in einer internationalen Tagung in Berlin in den 90er Jahren.

Guten Tag - haben Sie Bücher dagegen, dieses Tagebuch einer öffentlichen Bibliothek in Berlin-Marzahn, zeichnet die unermüdliche Informationsarbeit seines Personals für jedermann bis hin Einrichtung von Schreibwerkstätten.



Und nun diese Satire.

Christer Hermansson: Ich bin ein BIBLIOTHEKAR!


Eine scheinbar altbackene Beschreibung eines Menschen, der diesen Beruf liebt und mit ihm tief zufrieden ist. Administrativen Aufgaben wie Rechnungslegung etc. unterzieht er sich ohne Widerspruch. Nur die Absurdität der neuen Aufgaben einer smarten Managerin unter der Zerstörung seiner für die Bibliothek so wichtigen Kompetenzen erkennt er nicht. Oder doch???

Die neue Managerin erreicht schnell ihr Ziel...

Wir wollen den Autor, Christer Hermansson, nach Deutschland einladen für Lesungen und Begegnungen. Er spricht Deutsch. - Wir suchen dafür Partner und Mitstreiter - Termin offen (Dank Corona).

Spannend verspricht das Gespräch zu den verpassten (oder politisch nicht gewollten?) Chancen für Bibliotheken während der Corona-geprägten Zeit zu werden.

 

Kontakt und Bestellungen:

Telefon: 030 44739675

per email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Fake News und wir. Neue Formen der Macht und des Wissens

Vor einer Dekade veröffentlichte die junge Bibliothekarin und Pädagogin Eva Homeyer Informationskompetenz in Grundschulen. Probleme und Perspektiven für Schüler und Lehrer, ISBN 978-3-940862-03-7. Das Buch war hervorragend recherchiert, sehr gut geschrieben und erhielt auch ausgezeichnete Kritiken. Es wurde nicht verkauft, daher nehmen wir an, dass es nicht gelesen wurde.    
   

Fake News, Propaganda und Desinformation im Digitalen Raum, ISBN 978-3-945610-55-5 nennt Johannes Elia Panskus sein Buch, das auf der Büchermesse in Leipzig 2020 vorgestellt werden sollte. Eine Entwicklung von 10 Jahren im Vergleich zu dem Buch von Homeyer, bei der Digitalisierung ein Lebensalter, was eigentlich Fortschritte aufzeigen sollte und doch mit der Coronakrise das ganze Elend der Digitalen Entwicklung in diesem Land nur anhand dieser einen Publikationen vor Augen führt. Mangelnde Ausstattung mit Hardware sowie eine fehlende Integration in den Unterricht, die die nicht wahrgenommene Verantwortung auf den Schultern einiger leidenschaftlicher Nerds ablegte, die aber weder durch eigene Weiterbildung noch durch Unterstützung der Schulleitungen, mögen es die Schulen selber oder deren höheren Funktionen sein, umgesetzt wurde. Politische Digitalpakte helfen dann wenig, wenn nicht der Erwerb der digitalen oder Informationskompetenz als Zielvorgabe definiert und verfolgt wird.

Die Coronakrise brachte es an den Tag, als von heute auf morgen Kinder mit Hilfe der elektronischen Medien unterrichtet werden sollten und es bedurfte dem Beispiel einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, in der der Unterricht wirklich in dieser Art stattgefunden hat. – Ohne Eltern und ohne genervte Kinder. Der Ministerpräsident von Thüringen will weitere Lockerungen der Corona-Verbote, um die Wut der Mitbürger und die Flut der Fake News einzudämmen. Was für eine Verwechslung von Ursache und Wirkung. Fake News sind nicht Folgen einer Wut, sondern Folgen mangelnder Ratio und wie die Familienministerin bei der montäglichen TV-Sendung von Hart aber fair sagte, die sogenannten digital natives können das Internet in ihrer Tiefe und Breite nicht nutzen, es sind digitale Verbraucher, die amazon jetzt einen Riesengewinn bescheren, aber nicht die Informationsquellen nutzen, die den fake news den Boden entziehen würden.


Mit der Aufklärung der Neuzeit bekam der Glauben an Teufel und Hexen neuen Auftrieb, manchmal auch genutzt von der Kirche, um Menschen in ihrem gehorsamen Unglauben zu lassen. Wenn die Kirche auch damals geglaubt haben mag, ihre Macht auf diese Art zu bewahren, es war ein Irrtum.  Der Staat von heute möge es die nationale, kommunale oder Länder-Ebene sein, deren Interesse dem Machterhalt oder Zuwachs gilt,  sie sollte diesen Irrtum nicht verfolgen. Es hört sich einfach an und verliert doch durch die Wiederholung jede Wahrheit. Fake News, irrige Ansichten lassen sich nicht durch einmalige Gespräche aus der Welt schaffen, sondern nur durch Informationen, den rechten Zugang zu ihnen und den Umgang mit diesen Werkzeugen. Mit Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum – Bibliotheken als Bildungs-und Machtfaktor der modernen Gesellschaft wies W. Umstätter schon vor Jahren auf diesen Paradigmenwechsel in der Macht hin, und verknüpfte ihn mit der Forderung nach einer neuen Infrastruktur, auch den Wechsel und die neue Wertigkeit, die Information und Wissen mit sich brachte und bringt. Dies hat sich nun erneut bewahrheitet. Corona bringt es an den Tag. Dies  wurde nicht nur von einem Teilnehmer des oben genannten Hart aber fair in das Publikum getragen. Viele Mittel für die Lufthansa (wenn auch nur als Kredit), aber anscheinend immer noch keine für die Zukunft. Wie wird unsere Zukunft aussehen, wer wird sie sichern?


Ungeklärte Fragen und keine Antwort.              

Unsere Autoren- eine Hommage des Simon-BW-Verlages

Der Simon-BW- Verlag wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Das ist nicht alt. Er ist immer noch der Benjamin im Vergleich zu vielen älteren und größeren Verlagen. Wir wollen auch die Schwierigkeiten kleiner selbstständiger Verlage durch keinen Bericht unseres Kampfes ums Überleben ergänzen, sondern wir wollen dem Fundus unserer Arbeit, unser Zentrum, unsere Überlebensbasis, den Quell unserer Freude in unserer täglichen Arbeit in den Mittelpunkt dieser Chronik stellen, unsere Autoren.

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Stephan Büttner

Wie sich die Informationswissenschaft in der digitalen Transformation behauptet

Zwei vielversprechende Ansätze, um sich immer wieder neu zu etablieren

Stephan Büttner (Hrsg.), Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses - Antworten aus der Informationswissenschaft, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2019.

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Information Literacy darf nicht nur ein Traum sein.

Open Access hieß die Devise, als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information Literacy wurde gefordert, damit alle nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als zwanzig Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Aktuell ist deutlich geworden, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch und Desinformationen verfälschen die Räume und Träume vom barrierefreien Open Access.

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Fake-News: Fehl-, Falsch- und Desinformation

Open Access war die Devise , als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information literacy wurde gefordert, damit alle mit dem neuen Medium umgehen konnten und  nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten.

Aber schon vor mehr als 20 Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Die Gegenwart zeigt uns heute, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch- und Desinformationen  verfälschen die Räume und Träume des Open Access.

Schon Stefan Hauff-Hartig. Fehl-, Falsch- und Desinformationen aus dem Blickwinkel der Informationswissenschaften weist auf die Kenntnis des Kontexts  hin, um den Wahrheitsgehalt von Informationen zu entschlüsseln. Willi Bredemeier erfragt von Spezialisten und Hochschullehrern in Die Zukunft der Informationswissenschaft - Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft? Gegenwart und Zukunft, Perspektiven und Forschungsfronten als Folgen der Digitalisierung. Dies sind nur einige Punkte der hier vorgelegten Untersuchung.

Mit dem Sammelwerk Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses hat Stefan Büttner Antworten aus der Informationswissenschaft auf die Umwälzungen der Digitalisierung herausgegeben. Nicht nur Bibliotheken und Forschung, sondern auch Museen und  Institutionen stehen vor Forderungen einer neuen Zusammenarbeit, die von jedem digital literacy erfordert und damit die  früher geforderte information literacy dramatisch weiter entwickelt.  Diese information literacy wird nicht nur von einigen Institutionen und Wissenschaftlern gefordert, sondern von jedem einzelnen, damit er nicht verständnislos in einer Welt verloren geht, die sich dramatisch verändert.

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Die andere Bibliothek

BRIEF AN EINE ALTBEKANNTE von Richard David Lankes – als Vorbereitung für den Bibliothekartag Juni 2018 in Berlin und für die Zukunft

Liebe Bibi,

Du bist nicht die einzige Bibliothekarin, die sich Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken macht. Entweder bekommt man gesagt, Büchereien seien altmodisch oder überflüssig geworden, oder man hört, dass Bibliotheken in Zukunft eher als eine Art Stadtteilzentrum fungieren sollen, eher Erlebnisse als Lesefähigkeit und Bildung vermitteln sollten. Du fragst Dich, warum wir eigentlich ein neues Bibliothekswesen benötigen, das die Rolle der Büchereinen - und Deine eigene - in einer modernen und diversen urbanen Gesellschaft neu denkt.

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