Was uns bewegte

„Die Kunstanschauung einer puritani- schen Kunst ist derart, ...“

Die Kunstanschauung einer puritanischen Kunst ist derart, dass die Kunst die Moral bestärken und den Patriotismus schmeicheln soll. Eine puritanische Kunst weiß gar nicht, was Kunst ist, lässt Lawrence Durrel eine seiner Hautpersonen in seinem Roman Clea sagen, dem 4. Band seines Alexandria Quartetts, die in den 60er Jahren Bestseller waren. Ist die Zeit in Russland stehen geblieben?

Wofür wird zeitgenössische Musik gebraucht? wird die Geigerin Patricia Kopatchinskakaja in einem Interview in Concerti Juli August 2014 gefragt und sie antwortet mit der Gegenfrage, wofür hat man Vivaldi und Mozart gebraucht?

Ich jedenfalls brauche die Neue Musik wie ich täglich neue Lust zum Atembrauche. Nein, sie ist nicht beliebt die Neue Musik, Leere Säle und eingeschlossene Zirkel beweisen es, es ist ihr noch nicht gelungen, die Herzen der Menschen und besonders ihre Ohren zu erobern. Schlager, Pop und ähnliche Musikprodukte füllen zwar den musikalischen Alltag vieler Menschen aus, aber die Neue Musik verliert dabei weiter an Stellenwert. Aber sie ist damit nicht alleine. Eine immer größer werdende Schar ausübender Künstler und deren mitunter beachtliche Leistungen wurden in den Konzerten Nachgefragt oder Zeitgenössische Musik hautnaht einem Publikum vorgestellt, das sich bewußt der Qualität dieser Konzerte nicht verschloss, und sich anrühren ließ. Mangelnde Qualität, die Musik oft mehr nach Modernität und Zugehörigkeit zu bestimmten Zirkeln beurteilt steht diesem Verständnis der Neuen Musik oft feindlich gegenüber. Dazu spielt die Förderpolitik oft eine unheilvolle Rolle, die die Förderungen oft nach der politischen Rolle der Musik beurteilt und unterstützt. Dabei gibt es nichts, was besser Grenzen sprengt und überwindet und das Leben bereichert. In allen Kulturen gehört Musik dazu und das seit Zehnausenden von Jahren, wie es das schöne Grab Bild der Musikantinnen aus Ägypten beweist. Die Frage ist nur, welche Musik relevant bleibt. Es ist meine Lebensaufgabe, das herauszufinden - zusammen mit dem Publikum, antwortet die Geigerin auf die Frage ob die Neue Musik eine gesellschaftliche oder politische Relevanz hat. Das ist eine typische Frage der Gegenwart. Aber wer bestimmt diese Relevanz, die Politiker die damit sehr oft quer zur Allgemeinheit stehen, wie die vielen Umfragen zeigen, die auch nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden.

Wann kann man seinen Autoren begegnen und mit ihnen sprechen? Über ihre Themen, ihre Bücher und ihre Pläne. Und die Autoren? Sie begegnen ihren Lesern. Das Internet hat unsere Lese- und besonders unsere Informationsgewohnheiten geändert, aber nicht unsere Liebe zur Literatur, unsere Neugier auf neue Geschichten, für schon in früheren Zeiten sich die Menschen auf den Marktplätzen versammelten. Unser Wunsch nach Kommunikation ist ungebrochen, und wo findet ein innigeres Gespräch statt, als zwischen Autor und Leser, besonders wenn es auf einer Biographie beruht, wie die Reise durch die Zeit des Anti-Heimat Romans des W.- Bredemeier. Schlösser, Könige, Musik des Barock für Kinder? Wie gebannt lauschten sie in der Lesebude der Geschichte um den Sonnenkönig Ludwig XIV und seinem Komponisten Lully.

Lesen im kindlichen Raum. Erlebnisse in Russland und der Welt nannte der wissenschaftliche Rat der Leseforschung an der Akademie der Wissenschaften in Moskau seine Konferenz, zu der er am 14.-15. November zahlreiche russische Fachleute, aber auch Vertreter aus Bulgarien, Finnland, der Ukraine und Deutschland eingeladen hatte

Der Basis und Blickrichtung der Konferenz folgend fand diese in der Staatlichen Kinderbibliothek Moskau und in der Pädagogischen Akademie statt.

Haben Sie Kaffee? – Heiteres aus dem Oderbruch, von Daniela Boremski

Auch hier in Lebus, 60 km östlich von Berlin, ist der Herbst angekommen. Die schillerndsten Grün-, Gelb- und Rottöne verzaubern Felder, Wald und Wiesen in ein Farbenmeer der Superlative. Man kann sich aber auch der Geschichtsträchtigkeit dieses Landstriches nicht entziehen. Die letzte große Kriegsschlacht und Überschwemmungen haben ihre Spuren hinterlassen, aber davon haben sich die Menschen nicht unterkriegen lassen. Haben ihre Dörfer und Städte immer wieder aufgebaut. Das Oderbruch ist ein Paradies für Naturliebhaber.

Die Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung vom 17.-21. September 2013 fand in der Hochschule Carl Maria von Webern, Dresden unter der freundlichen und effizienten Leitung von Professor Dr. Manuel Gervink und seines Assistenten Peter Motzkus, MA statt. Das Symposium Klang und Semantik in der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts warf interessante Blicke auf die Moderne Musik (Nicht Neue Musik, wie sie Prof. Petersen )definiert, wie zum Beispiele der Einfluss der Linguistik, in erster Linie von Levy Strauss und anderen, die der Sprache der Dinge (chosage) das Brabbeln der Komponisten entgegen gesetzt haben. Auch Paul Hindemiths Unheimliche Aufforderung 1923 mit einem Text aus einer Imkerzeitung passte in dieses Thema, denn unter der Maske der Ironisierung, die sich in erster Linie gegen Strauss richtet, werden wieder Gefühle sichtbar. Hindemith ist zurZeit aus den Konzertsälen Berlins weitgehend verschwunden. (Desto erfreulicher war es, am Wahlsonntag in der Alten Feuerwache in Berlin die Sonate für Flöte und Klavier zu hören) . Das ist schade, denn man sollte diesen Komponisten, der aus Deutschland auswandern musste, nicht gänzlich dem Ausland überlassen.

fand vom 10.-13. September 2013 in Berlin an verschiedenen musikalischen Orten statt: nicht nur im Jazz Institut am Einsteinufer, sondern auch an der Universität der Künste in der Fasanenstr., in der Staatsbibliothek zu Berlin und der Musikbibliothek Steglitz-Zehlendorf. Nicht nur diese Wahl der Orte, auch das Programm zwischen Führungen, Diskussionen und diversen Themen zeigten einen starken Willen zur Zusammenarbeit. Dieser ist notwendig, wenn man dem Aufruf des Präsidenten der HdK Prof. Rennert folgen will, der einen klaren Blick der Öffentlichkeit für die Wertigkeit von Musik und Erziehung zur Musik (Musikschulen) fordert, denn ausgerechnet im reichen Land Baden Württemberg sollen diese geschlossen werden. Es gerät aus dem Blick, was im Zentrum der Zivilisation steht. Nur eine nachhaltige Politik kann diesem gegensteuern. Der ausgezeichnete Vortrag von Frau Dr. Dörte Schmidt, Bibliothek der UdK, leitete dann diesen Vormittag ein, der UdK und Bibliothek zwischen akademischer und staatlicher Identität verortete und die ersten Vernetzungen der Bibliothek beschrieb. Dabei interessierte besonders die detaillierte Aufschlüsselung der Entleihungen aus dem Jahr 1922, die genau Auskunft über die Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer geben sollte. Die Eingliederung des Phonogrammarchivs in die HdK von 1922, auch der dargestellte Raumbedarf von Curt Sachs von 1928 zeigte, wie modern HdK und Bibliothek definiert wurden. Die Namensgebung eines Bildungskasinos macht ebenfalls deutlich, welche Aufgabe man der UdK und ihrer Bibliothek zuteilte. Hinter diesen Ideen und Zielen ist nicht nur die Zeit des Naziregimes, sondern auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart zurück gefallen. Vergeblich haben der ehemalige Leiter des Phonogramm Archivs Artur Simon und seine Kollegen um die Integration der Musikethnologie oder Vergleichende Musikwissenschaft in den Lehrbetrieb der UdK und das Musikinstrumentenmuseum mit seiner so reichen Sammlung an Musikinstrumenten aus aller Welt gekämpft – gegen alle administrativen Zwänge - und fast um den Verlust der Gesundheit - es ist ihnen nicht gelungen. Das bedeutet, dass trotz zunehmender Bedeutung des internationalen Musikmarktes, trotz aller tragbaren Brücke zu den Migranten über ihre Musik, das Phonogrammarchiv, verhaftet einer Idee des 19. Jahrhunderts, das Archiv heute immer noch am Ethnologischen Museum angesiedelt ist.

Das Urheberrecht kann eine Keule sein: Der Simon Verlag für Bibliothekswissen (www.Musiksimonverlag.de) will eine Anthologie zeitgenössischer Lieder herausgeben (Aus der Tiefe der Gesang, ISBN 978-3-940862-59-4). Die Veröffentlichung verzögert sich, weil eines der schönsten Stücke als Text eine portugiesische Übersetzung eines Gedichtes von Lasker Schüler vorsieht: Riederer, Fernando: Da Carne do teu Coracao/ Aus Deinem Herzfleisch. Die Lizenzverhandlungen mit den beiden Verlagen (Suhrkamp und dem brasilianischen Verlag) waren erfolglos, daher wird als trauriges Ergebnis das Stück zur Zeit nicht veröffentlicht werden.

Der Verlag plant, Between the public and the private, libraries in the eBook age eine Monographie zweier hochqualifizierter kroatischer Wissenschaftler herauszugeben. Der kroatische Verlag stellte die Lizenz kostenlos zur Verfügung, da er gesehen hat, wie wichtig die Teilnahme zweier Fachvertreter aus Kroatien für die weltweite Diskussion um Fragen der digitalen Veröffentlichungen ist.

Und als Nachsatz: Jeder Mensch hat das Recht auf einen freien Zugang zu Informationen und Bildung. Ausgerechnet die Piraten haben mit diesem Wahlslogan einen Nerv getroffen, dessen Realisierung man sich nicht nur als Erfüllung eines Wahlslogans wünscht. Man sehe sich nur die anderen Slogans an : Das wir entscheidet. Als ob nicht jeder von uns die Brüchigkeit dieses Ausspruchs täglich vor Augen sieht, in dem die Mächtigen sich keinen Deut um die Kommunen und ihre Wünsche kümmern. Man sehe nur den Kulturhaushalt in Berlin an. Diese Stadt lebt von der Atmosphäre und den vielen kleinen Gruppen, der freien Szene: ein Erhöhung des dafür vorgesehenen Etats wurde in Aussicht gestellt, die jetzt durch Tariferhöhung und Anträge der Großen aufgefressen wird. Auch Teilen macht Spaß - für die Milliardärsteuer stellt den Bürger als Depp hin, als ob nicht jeder wüsste, dass Steuererhöhung wirklich keine Freude machen und Stiftungen deshalb so beliebt sind , weil sie wohl im Teilen Freude vermitteln.

Zerstört Amazon den deutschen Buchmarkt ?

Ein Mann aus Dubai bestellte bei dem kleinen Simon Verlag für Bibliothekswissen das Buch: kisir und tanbura – Dahab Khalil ein nubischer Sänger im Gespräch mit Artur Simon aus Berlin ISBN 978-3-940862-34-1. Er will das Buch sehr gerne erwerben und fragt nach Möglichkeiten, wie das zu realisieren sei. Da Buchhandlungen in Dubai uns unbekannt sind, ist der Hinweis angebracht, es bei Amazon zu erwerben, wenn Amazon dort vertreten ist. Wie er uns schrieb, würde er das Buch auch mit Western Union im Voraus bezahlen - Der Verlag wird ihm dann das Buch schicken, wenn auch die Postgebühren die Einnahmen wahrscheinlich weit überschreiten werden. Der Erwerb des Buches für einen leidenschaftlichen Leser wäre also mit Amazon gut möglich - aber die Herausgabe eines solchen Buches ist wahrscheinlich in Zukunft nicht mehr gegeben, wenn in der entscheidenden Schlacht (DIE ZEIT 23. Juli 2013: 37 ) Amazon ähnlich wie in den USA in Europa ein Quasimonopol schafft. In diesem Monopol ist kein Platz für Fachverlage, größere oder kleinere und kleine Buchhandlungen in Deutschland.

Die Menschen wollten immer einen Blick in die Zukunft werfen. Schon in der Antike versuchten die alten Griechen aus Eingeweiden von Vögeln die Zukunft zu deuten. Die Pythia dient heute noch als Vorbild für Wahrsagerinnen, deren Geschäfte auch in unserer modernen Zeit nicht gelitten haben. Sehr oft kündigt sich Zukünftiges an, ohne dass man dessen gewahr wird. Vertieft man sich heute in den halboffiziösen Schriftwechsel mancher Institutionen der ehemaligen DDR, so bemerken wir einen Wechsel im Tonfall, eine sich offen äußernde Kritik, die damals von uns als Vorbote einer radikalen Veränderung nicht wahr genommen wurde. In den meisten Fällen ist uns aber ein Blick auf die Zukunft verwehrt, oder wir erkennen sie nicht, weil wir Kinder unserer Zeit sind.

Wir wollen der Musikforschung (66. Jg. H.2 ) nicht nachstehen und gratulieren unserem Autor Professor Dr. Artur Simon ganz herzlich zu seinem 75. Geburtstag. Nach seinen zahlreichen Veröffentlichungen als Leiter des Berliner Phonogrammarchivs konnten wir seine Einführung in die Ethnomusikologie herausbringen, der erste deutsche Überblick über dieses Fach und ein Buch zu seinen früheren Forschungen im unbekannten Nubien, kisir und tanbura (in Deutsch und Englisch) Es enthält die Bibliographie der gesamten Veröffentlichungen und einen Teil der Photos aus diesen Jahren. Wir wünschen dem Autor weiterhin ein waches Interesse an der Ethnomusikologie.

Der Berliner Simon Verlag für Bibliothekswissen veranstaltete am 01. Juni 2013 eine Lesung zum Buch von Johannes Spiecker: „Mein Tagebuch: Erfahrungen eins deutschen Missionars in Deutsch Südwestafrika1905-1907“ (ISBN 978-3-940862-41-9).

Die Lesung fand im Rahmen der Aktion 24 Stunden Buch, des Börsenvereins des deutschen Buchhandels statt: vom 31. Mai 12 Uhr bis zum 1. Juni wurde in Berlin gelesen, und die Lesung im Afrika-Haus schloss die Veranstaltung mit einem Blick in das ferne geheimnisvolle und immer noch unbekannte Land Afrika.

Katharsis nannten die griechische Antike die Läuterung von seelischen Konflikten durch die Kunst, durch Theater, Musik und Tanz. Die großen Spiele ihrer bis in die heutigen Tage unsterblichen Dichter genossen nicht nur Förderung und hohes Ansehen, jeder Theaterbesuch jedes Bürger und das waren vorrangig Bauern, wurde finanziell zu dem Ausfall an Arbeitszeit staatlich gefördert.

Keine Unterhaltung, seelische Erschütterung war das Ziel dieser Spiele. Wenn in der Veranstaltung am 5. Juli , Sonntagnachmittag, im Puttensaal im Gespräch mit Musikwissenschaftlern, Komponisten und Musikliebhabern gefragt wurde wie populär darf zeitgenössische Musik sein, wäre diese Frage im antiken Griechenland unverständlich geblieben. Nicht nur in Griechenland, sondern auch in Japan des 14. Jahrhunderts in der tradierten Hofmusik dienten schrille Töne einem alten Ritual und mitnichten dem bloßen Hörvergnügen. Aber wir brauchen nicht so weit zu gehen, auch der sacre du printemps, dessen 100 jähriger Geburtstag aus dem Jahr des Umbruchs 1813 wir in diesem Jahr feiern , rief Erschütterung und einen Skandal hervor, der heute nicht vorstellbar ist. Seine auf einem Frühlingsbrauch im alten Russland basierende Musik wühlte die Menschen auf, er berührte sie. Nein, die auf Gefälligkeit und Populismus angelegte Neue Musik, nach einem zahlreichen Publikum schielend und mit Video und anderen technischen Schnick Schnack die Menschen vom Hören abhaltend tut das nicht. Es wird ihr auch nie gelingen und desto weniger, wenn Neue Musik als Musik ohne Harmonie und Tonalität definiert wird.

Von Büchern sieben ist eines für Dich geschrieben! lautete ein Sprichwort zu jener Zeit, als jedes Buch, eine Kostbarkeit, von Anfang bis Ende gelesen wurde - vergleichbar dem heute mit den Genüssen aller Welt gedeckten Tisch mit einer Zeit, in der alles, aber auch alles, aufgegessen wurde. Wo ist dieses Buch, das für mich geschrieben ist? fragt man sich angesichts einer überbordenden Fülle von schönen, klugen, spannenden Büchern auf dieser Leipziger Buchmessen 2013. Es geht im Kern nicht um Buchevents, mögen sie noch so lustig, spannend und clever sein wie der Slogan Achtung Buch, sondern um dieses eine Buch für mich, sonst wäre Pascal Mercier Nachtzug nach Lissabon oder Carlos Ruiz Zafòn Der Schatten des Windes um den Friedhof der vergessenen Bücher nicht so geliebt und gelesen. Bot die Messe diese Begegnung mit diesem Buch/Autor? Ja, sie tat es, bisweilen dem Suchenden sich mühsam einen Weg bahnend in dem bunten Treiben. So die Biographie des Komponisten Hanns Eisler, ( I am a composer, not a hero) mit dem bezaubernden kleinen Lied vom Garten, das hintergründig das dornige Unkraut, die Emigranten neben dem satten Grün, das damalige Heimatland USA, mit Wasser tränkte. Wer wird sie je vergessen, die kleine ältere Dame, die fast weinend dem Autor Dr. Rainer Strzolka versicherte, so wie in seinem Buch sei es auch auf ihrem Arbeitsplatz gewesen, nachdem eine fast peinlich berührte, atemlose Zuhörerschaft den kritischen Gedanken zu Team-(un)fähig gefolgt war. Ein Buch, heiter und satirisch zugleich trifft es ein seiner gnadenlosen Kritik zunehmend die einem inhumanen Arbeitsalltag ausgelieferte Menschen.

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Irina Emeliantseva (Klavier), Felix Ceunen,
Lukasz Klusek (Kontrabass)
Botschaften und ihre repräsentativen Gebäude werden vorwiegend als Räume ausländischer Mächte wahrgenommen. Sie spielen eine Rolle bei der Vergabe von Visa und stellen Passe für die eigenen Bürger aus. Der Direktor, der Botschafter, tritt in Erscheinung, wenn es politische Problem gibt, nicht als Teil der Lösung sondern als Teil irgendwelcher Maßnahmen, die vom Gastland eingeleitet werden.

Sie sollen eigentlich auch ihre Länder, deren Kultur und Wissen über deren Traditionen und Lebensstrukturen vermitteln. Dabei werden sie oft zu Büros der Tourismuswerbung, wobei das Land dahinter leider oft wage und unbekannt bleibt.

In einem Round Table in der Bibliothek am Luisenbad /Wedding wurde Um die Sache der Musik leidenschaftlich diskutiert von Vertretern der Musikschulen (Köpenick, Frau Gocksch), der Initiative Musikmuseum e.V. (Frau Berlin), dem Musikpädagogen und Akkordeonisten (Gerhard Scherer), dem Komponisten und Musikwissenschaftler Prof. Flammer, dem Vertreter der IMN (Klaus Schöps), dem Komponisten Maxim Seloujanov, dem Journalisten Dr. Stefan Amzoll aus der Uckermark und dem Juristen R. Kappe (Urheberrecht) – und dem Publikum.

Im Team zum Erfolg - Potenzial Mitarbeiter betitelt das Blatt der IHK Berlin, Berliner Wirtschaft, seine Ausgabe Nr. 1 Jan. 2013, 63. Jahrgang und führt dann unter dem Sinnspruch Fördern und Fordern, der seit der Einführung der Arbeitsagenturen zu einem ironischen Witzen verkommen ist, alte Management Regeln auf, die wohl gegenwärtig von kleinen und mittleren Betrieben am besten umgesetzt werden. Stimmt im Betrieb das Klima nutzt es allen. Das weiß man, seitdem in Japan trotz Wirtschaftskrise in kleinen Betrieben als letzte Maßnahme eine Entlassung vorgenommen wurde. Deutschland ist davon nicht so weit entfernt. So berichteten z.B. bei einer Versammlung der weiblichen Mittelstandsvereinigung unter der Bundestagsabgeordneten Dött kleine Betriebe, dass Chefs sogar ihre Lebensversicherung verkauften, um ihre Angestellten nicht zu entlassen. Treue scheint für diese Betriebe kein leerer Wahn zu sein, und die Angestellten danken mit guter Arbeit und Stolz auf Ihren Betrieb.

Ausgerechnet des Haus der Kulturen der Welt, Berlin will vom 21.-24.2 diese präsentieren, als Kompositionen von Menschen Tieren und Zufällen.

Unmenschlich war das Naziregime, Unmenschlich sind in einigen Ländern Gefängnisse, unmenschlich sind immer noch zu viele Regierungen der Welt.

Der Begriff unmenschliche Musik enthüllt nicht nur einen großen Mangel an Menschlichkeit, er zeugt auch von einem tiefen Missverständnis von Musik, was Musik will und was Musik kann.

Wissenschaftskommunikation nannte das Japanisch Deutsche Zentrum sein Sympo-sium, das am Montag, den 10. Dezember 2012, hervorragend organisiert in Berlin in der Saargemünder Straße stattfand.

Das Thema war eigentlich keine Überraschung. Es hat seit Jahren einen Dialog über Informa-tionsverhalten und Informationskompetenz zwischen dem Verlag und japanischen Kollegen gegeben, wenn dieser auch in den letzten Jahren etwas eingeschlafen war. Diesem wichtigen gesellschaftlichen Thema hatte sich der Verlag in seinen Veröffentlichungen gewidmet:
Walther Umstätter – Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum, Bibliotheken als Bil-dungs- und Machtfaktor in der modernen Gesellschaft (ISBN 978-3-940862-13-6), Ben Kaden – Library 2.0 und Wissenskommunikation (ISBN 978-3-940862-12-9), Ronald Kaiser – Library Success with web 2.0 services (ISBN 978-3-940862-32-7). Auch Ingo Caesars Social Web – politische und gesellschaftliche Partizipation im Netz (ISBN 978-940862-33-4) gehört zu den wichtigsten Büchern auf diesem Gebiet.

Die Suche nach Themen, Gesprächen mit Autoren, Fortbildungsveranstaltungen des Börsenvereins- alles setzen wir ein, um schöne interessante und wichtige Bücher zu machen. Der Lesemarathon ist eine Begegnung mit dem Kunden, erwünscht und erwartet und dieses Jahr außerordentlich erfreulich.

Raummusik wurde das Konzert am 15.10.2012 in der Humboldt Bibliothek in Tegel genannt. Der Eindruck einer Renaissance Halle mit Toren und Fenstern dieser außergewöhnlichen Bibliothek stand in einem spannenden Gegensatz zu den Wegen der künstlerischen Empfindungen der Komponisten und Interpreten, Linien Quer und Geradeaus. Gradlinig war dieses Konzert nicht. Die Flötentücke von Marco Reghezza Thoughts (2010) und die von Tiago Schwäbl, eines Komponisten aus Portugal, beide Komponisten Zeitgenossen aber was für ein Unterschied! Man hätte sich nicht gewundert, wenn es Jahrhunderte gewesen wären. Man weiß nicht, ob den Komponisten Tiago Schwäbl unbewusst das französische Erbe des Bodens und Raumes, der frühere französische Sektor beeinflusst haben: Les graines invisibles beruhten auf Texten von Saint- Exupéry: Quand j’ai dessiné les boabas, j’ai été animé par le sentiment de l’urgence und Paul Eluard, Capital de la douleur. …ces tristes soirs à tout moment wurden sehr charmant und witzig vom Komponisten (Flöte) und dem Kontrabassspieler Lukasz Klusek vorgetragen. Beide machten aus der Komposition ein kleines Musik-Sprache Kunstwerk, in der Flöte und Worte einen gleichwertigen Part spielten.

Berlin braucht Bass (B.b.B) nannte das BKA sein Konzert am 6. Dezember. Das Projekt war aus einer internationalen Ausschreibung der Reihe Hören und Lernen des Simon Verlages für Bibliothekswissen hervorgegangen.

Der junge polnische Kontrabassvirtuose und Hindemith Preisträger Łukasz Kłusek spielte einige der eingesandten Stücke. Das Publikum hatte bei seiner Preisvergabe die Auswahl zwischen den Stücken von Dario Agazzi (Italien), Anthony Green (USA), Volker Iganz Schmidt (Deutschland) und Mateusz Ryczek (Polen), der den Preis gewann. Leider konnte er persönlich nicht anwesend sein, wie die anderen jungen Komponisten. Wir gratulieren ihm herzlich für diesen Gewinn.

Neben dem Kontrabass kam auch das Klavier zum Einsatz (Art-Oliver Simon). Beide Künstler hatten dies Konzert hervorragend inhaltlich gestaltet. Ein sehr interessiertes Publikum folgte ihnen und wurde mit einer Zugabe des Komponisten Luca Vanneschi aus Italien belohnt, der sich ebenfalls an dem Wettbewerb beteiligt hatte.

Die hier aufgeführten Stücke werden mit Lebenslauf und Werkbericht der Komponisten in einer Edition dokumentiert, die Anfang des nächsten Jahres erscheinen soll. Sie wird ebenfalls mit Aufführungen von Łukasz Kłusek auf der Messe in Leipzig am 16. März 2012 im Rahmen von Leipzig liest dem Publikum vorgestellt.

Ein Freitagabend in Neukölln: Touristen flanieren durch die Straßen, in vielen Bars sitzen Berliner, leidenschaftliche Photographen suchen nach neuen Inspirationen auf den Neuköllner Straßen, und jetzt auch noch Tausende von Fußballfans… Dennoch war Neukölln am vergangenen Freitag anders – es gab noch mehr Touristen und noch mehr Berliner. Das Kunst- und Kulturfestival "48 Stunden Neukölln" war der Grund dazu: mehr als 300 Spielorte, an denen Kultur in all ihren möglichen Ausprägungen wie Malerei, Musik, Theater, Film, Tanz und Fotographie genossen werden konnte, zog die Menschen in den Bezirk an. Eine schöne Möglichkeit, den Freitagabend interessant verstreichen zu lassen, oder etwa nicht?

Tagebücher – Jeder kriegt sein Fett weg. Hans Werner Richter schimpft in seinen Tagebüchern 1966–1972 auf die Schriftsteller der Gruppe 47. Spiritus Rector der bekanntesten literarischen Vereinigung nach dem Zweiten Weltkrieg. Er hat sein Tagebuch zu seinen Lebzeiten nie veröffentlicht, vielleicht weil er wusste, dass die ihm nachgesagte Begabung zur Freundschaf eine Schimäre war. Die Tagebücher sind von ätzender Schärfe über seine Dichterkollegen.

Tagebücher können Machtkämpfe protokollieren; sie zeichnen die geheimen Gedanken und Wünsche der Schreiber auf. Sie sind als historische Quelle zwiespältig, als menschliches Dokument aufschlussreich.

Aktuelles

Besitzen genügt nicht. Kulturelle Identität und kulturelles Erbe

Zur Diskussion: Beutekunst 

Nicht nur in den Zeiten des Kolonialismus wuchs mit der Eroberung der Welt durch die kolonialen Mächte der Raub kultureller Güter: In den Beständen der Vatikan Bibliothek befindet sich da schriftliche Erbe verschiedener Regionen und Nationalstaaten, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden sind. Wie sehr um diese kulturellen Güter gerungen wurde, zeigt auch die end- und folgenlose Diskussion um das schriftliche Erbe Deutschlands und um Rückführung oder Verbleib in Russland. Das Thema wird aber auch durch die digitale Transformation des kulturellen Erbes aufgegriffen. Stephan Büttner: Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses. IDBN 978-3-945610-50-3

Mit Kulturgütern der Länder, die im Zuge der Kolonialisierung in Besitz genommen wurden, wurde nach der Eroberung durch die westlichen Mächte ein schwunghafter Handel betrieben. Das hatte auch mit der Entwicklung der Museen zu tun, die im 19 Jahrhundert, sehr oft entstanden als Raritätenkabinett der Landesherrscher zum Aushängeschild der Herrscher wurden. Sie wurden Teil der jeweiligen Repräsentanz. Sie waren auch das Motiv für Ausgrabungen und Forschungen. Dies wird zum Teil sehr deutlich an den Projekten des jungen Kaiserreichs Deutschland. Gleichzeitig waren Wissenschaftler und Forscher den Ergebnissen ihrer Forschungen tief verbunden, wenn man sich in die Geschichten dieser Forschungen vertieft braucht man nur an die Geschichte von H. Schliemann zu denken. Ohne ein tiefes Interesse an der jeweiligen Kultur waren diese Forschungen nicht denkbar.

Die Forschungen der französischen Professorin für Kunst und ihre Ausführungen zur kolonialen Beutekunst und europäischen Museen, in erster Linie französischen und deutschen, haben nun die Diskussion um Museen und ihre Bestände aus den kolonialen Ländern eine neue Dimension gegeben. Wie sehr damit auch das ganze Umfeld in Mitleidenschaft gezogen wird, zeigen die Diskussionen um einzelne Vertreter dieser Epoche und ihre nationale Verwurzelung. Das Radio und hier der Deutschland Funk widmete dem Themenkomplex und allen damit verbundenen Fragen eine lange Sendung am Sonntag den 29.8., in der auch die komplexen Fragen, die mit der geforderten Rückgabe verbunden sind und die nicht nur rechtliche Fragen berühren: so hat z.B. Deutschland einen großen Teil der Kunstgegenstände von Großbritannien gekauft, die als Kolonialmacht ungleich aktiver war als Deutschland.

Diese Diskussion, wie viele der in den Medien geäußerten Meinungen warf die Frage auf, nach Sinn oder besser Ziel dieser Diskussion. Denn sie unterscheidet sich in der Zielrichtung nicht grundsätzlich von dem, den die Beutezüge bewegt haben. Es geht um Besitz. Dies trifft auch auf die Jäger der Räuber zu: Die Beninbüsten, diese wunderschönen geheimnisvollen Abbildungen eines vergangenen Königreiches konnten jederzeit im Ethnologischen Museum in Dahlem besichtigt werden. Es ist uns von keiner Zeit berichtet wurden, an denen diese Ausstellung wegen Überfüllung geschlossen wurde.  Geht es also wieder nur um den Besitz? 

Museen und ihre Ausstellungen sollen Kommunikationsorte sein. Nicht der Besitz von Kunstwerken oder Materialien die uns die Kultur des fremden Volkes vermitteln, berechtigen die Ausgaben dafür, sondern die Kommunikation mit dem Fremden, die damit beginnen soll. Es geht um das Leben mit und durch den Gegenstand. Moderne Kunst bringt das oft ungeschönt zum Ausdruck, wenn der Besucher diese Kommunikation beginnt.

Man hat im Humboldt Forum das berühmte Phonogramm- Archiv geteilt in Gegenstände und die Dokumentation seiner Musik. Damit ist eingetreten, was schon lange Zeit befürchtet wurde und was in Reinform den europäischen und eingeengten Blick rechtfertigt, den ein so schönes Museum wie das Humboldt Forum schon jetzt alt aussehen lässt. Die Gründer des Phonogramm-Archivs, die vor   den Nazis in die USA flohen, ging es um die Welt und Weltläufigkeit im besten Sinn, um Verständnis einer fremden Kultur, um die Kommunikation der Kulturen untereinander. Die Musikethnologen haben grundsätzlich und sehr korrekt die außereuropäischen Musikinstrumente beschrieben. Diese Kenntnis ist wichtig aber sie vermittelt nicht die Berührung durch einen Sänger und Lautenspieler, wie Dahab Khalil aus Nubien: Artur Simon: Kisir und tanbura – Dahab Khalil ein nubischer Sänger von Sai, im Gespräch mit Artur Simon aus Berlin ISBN 978-3-940862-34-1. Der Anblick seiner Laute und besonders die Informationen über ihre Verbreitung vermittelt erste Informationen über diese Musik, aber ihre Stärke und Kraft vermittelt sie über den Gesang, in den Liedern spricht eine Kultur zu uns.

  Es werden keine Gegenstände und Kunst mehr geraubt, aber wer weiß heute schon, dass mit der Zerstörung von Aleppo ein lebendige Musikzentrum zerstört wurde, R. Royl Die Realisierung des Ataba in Syrien ISBN 978-3-945610-58-9. Dies geschah heute und ist dem Raub eines Gegenstandes nicht vergleichbar. Es wurden nicht Gegenstände weggenommen, die eigentlich nur der Beginn einer Kommunikation sind, sondern eine ganze Kultur, sowohl heute als auch in der Geschichte wurde hier in Aleppo zerstört und sie kann nicht wieder aufgebaut werden und kann auch nicht zu uns mehr sprechen.

Wie die Veröffentlichung: Ethnomusikologie Aspekte, Methoden und Ziele (A-Simon, ISBN 978-3-940862-07-5) zeigt, fehlte es der Musikethnologie lange Zeit an grundlegende Methode dieser Wissenschaft, auch eine Folge der allgemeinen Musikwissenschaft in Deutschland und ihrer Betonung eines klassischen Corpus und Ansehen. Es ist zwar Jahre her, dass der Leiter des Phonogramm Archivs den Auftrag erhielt, über einer Neugestaltung des Musikinstrumenten Museums nachzudenken, aber sein Vorschlag, Instrumente des Museums, der Abteilung für Musikethnologie mit der Sammlung des Musikinstrumentenmuseums zusammenzuführen, waren der Anlass für ein Schreiben, dessen Erschütterung ihm psychisch fast das Leben gekostet hätte. Dabei hätte man dadurch eine Weltläufigkeit geschaffen und demonstriert, die wir heute im Humboldt Forum so schmerzlich vermissen. Die Gelegenheit hier zum Beispiele die Verbreitung der Laute oder Laier zu zeigen, hat man nicht einmal in Betracht gezogen. Man zog sich lieber auf die historischen Bezüge zurück.

Daher ist es eigentlich folgerichtig, dass die Zentral und Landesbibliothek keinen Platz mehr im, Humboldt Forum fand. Sie ist für keine Klasse gedacht und dient der Aufklärung und dem Wissen der Allgemeinheit. Das war folgerichtig. Die Allgemeinheit hatte im Humboldt Forum keinen Platz. Dabei vergaß man, dass auch im Barock die ersten Fürsten dieser Allgemeinheit Raum gaben und die ersten Lernräume in der Gestalt von Bibliotheken schufen, in der Überzeugung, dass reine Repräsentation ohne Wurzeln bleibt. Dies scheint sich bis Berlin nicht herumgesprochen zu haben. Berlins Schielen nach dem Tourismus trägt hier faule Früchte. Und dies zur Zeit der grassierenden Fake News. Nicht nur schade, sondern gefährlich.

Warum gilt Aufklärung als fundamentalistisch? und weiter: Aufklärung und Freiheit sind Ideen, die an ihren Ansprüchen scheitern.

Hanna Arendt, der glühenden Verteidigerin der Freiheit Die Freiheit, frei zu sein, München 2018, hätten diese Aussprüche nicht gefallen, wohl aber eventuell den Wahlbeteiligten im Osten der deutschen Republik, die heute mit den immer deutlicher werdenden Brüchen zwischen Ost- und Westeuropa konfrontiert werden.


Der Tagesspiegel vom 30. Mai: „Das Gewand der Königin. Europa Regina zeichnet ab dem 16. Jahrhundert eine Westorientierung der Mächte“, die auch nach dem Abbau der festen Grenzen nach 1989 wieder zum Vorschein gekommen sind. Der Optimismus, mit dem die EU-Erweiterung begann, ist einer Grundskepsis gewichen, die nicht allein dem wirtschaftlichen und sozialen Bruch galt, der dieser Erweiterung folgte, sondern auch keine europäische Einigung unmittelbar einleitete. Liberalismus und Demokratie haben kein unmittelbares Erbe in den Staaten des ehemaligen Ostblocks und haben dem Demokratieüberdruss, dem Nationalismus und dem Aufkommen neuer Potentaten von Urban bis zur Pispartei in Polen den Boden bereitet. Aber nicht nur im Parteiengeflecht des ehemaligen Ostblocks schälen sich neue Machtpositionen heraus. Auch die Kräfteverhältnisse innerhalb der EU können sich verändern und damit Erneuerungen in Administration und Gesellschaft notwendig machen. Peripherie und Zentrum stehen sich gegenüber und bieten gleichzeitig die Identität allen den Staaten an, die jetzt, und eventuell vorübergehend, oligarchische Strukturen bevorzugen und damit alle Staaten entlasten, die sich mit Freiheit und Verantwortung überfordert fühlen.


Dabei war der Kampf dieser Staaten um Freiheit und europäische Zugehörigkeit nicht trivial. Der Garten der zerbrochenen Statuen (ISBN 978-3-945610-40-4) zeichnet den erschütternden Weg, den die Zensur durch die Bildung des russischen Staates genommen hat. Wir gehen davon aus, dass dieses Buch in der Gegenwart eine Fortsetzung schreibt. Wege der Hoffnung (ISBN 978-3-945610 20-6) ist nicht nur die Lebensgeschichte eines litauischen Intellektuellen, der sein Glück in den USA gemacht hatte, es ist gleichzeitig eine Hommage an den unbekannten deutschen Soldaten, der einst die Familie aus dem brennenden Dresden rettete. Immer wieder scheint der Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung diese Erzählungen zu leiten, aber gleichzeitig sind die Kräfte für den Aufbau einer Demokratie bzw. Liberalität nicht sichtbar. Der Wunsch nach wirtschaftlicher Erholung und Beteiligung ist mit Händen zu greifen, es fehlt aber der Wille zur Teilhabe und Gestaltung jenseits der Schilderung der persönlichen Notlagen und Ängste.

Aufklärung war die Grundlage des preußischen Staates, als der versuchte, sich aus dem Geflecht eines Obrigkeitsstaates zu befreien. Dies ist ihm sehr spät, wenn überhaupt, gelungen. Deshalb sollte die Bundesrepublik schon aus dieser Tradition heraus, in ihrem Erbteil Verständnis für die autoritären Strukturen der europäischen Staaten an der Peripherie aufbringen, aber auch gleichzeitig alle Möglichkeiten mit entwickeln, die eine solche politische Zukunft verhindern.   

Mythos Lesen - Mythos Buch

Mythos Lesen - Mythos Buch

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www.nationaler-lesepakt.de, eine Zusammenarbeit der „Stiftung Lesen“ und dem „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“, ist der Wochenzeitschrift Die ZEIT eine ganze Seite wert.

„Lesen- eine wahre Superkraft. Lesen eröffnet uns die Welt. Und unseren Kindern eine gute Zukunft. Dafür machen wir uns stark. Das Ganze illustriert mit einem Jungen, verkleidet als Superman und somit passend für die Zielgruppe nicht nur der Eltern, sondern auch der „Jungen, die in der Gruppe der Nichtleser besonders zahlreich vertreten sind.“

Der Nationale Lesepakt wartet mit einem großen Angebot an Veranstaltungen und Preisen auf. Er liest sich wie das Who is Who aller Bücher- und Lesemenschen, die sich in diesem Land kraft ihres Amtes, ihrer Überzeugung und ihrer Ängste zusammengefunden haben, zu einem Zeitpunkt, da das geschriebene oder gedruckte Wort immer weiter an Resonanz verliert, um den Mythos Lesen und dem Buch die Stellung zu erhalten, die diese offensichtlich verlieren.

Der nationale Lesepakt ist die gebündelte Kraft eines ganzen Landes, dem Lesen die Superkraft zu bewahren bzw. möglichst zurückzugeben. Es ist nicht die erste Initiative für das Lesen. Als vor fast 50 Jahren die US-amerikanischen Wirtschaft in einer Untersuchung die Höhe der Mittel feststellte, die ihr durch die fehlende Lesefertigkeit ihres Personals in Handwerk und Betrieben verlorengingen, begann sie eine Kampagne, die an Umfang und Tiefe der jetzigen hier in Deutschland in nichts nachstand. Obwohl sie großzügig Mittel gerade in die kommunalen Bibliotheken spülte, war der Erfolg damals in den USA begrenzt. Steht dem deutschen Lesepakt jetzt ein vergleichbarer Misserfolg ins Haus?

Als vor fast zwanzig Jahren eine Untersuchung über den Einsatz digitaler Informationsmittel in der Lehre die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machte, dass die Lehre in analogen Bahnen verlief und die Studenten in dem Einsatz digitaler Informationen nicht geschult wurden und diese entsprechend auch nicht nutzten, wurden diese Studien weder gelesen noch in Handlungen umgesetzt. Auch wenn die heute Studierenden die Veranstaltungen mit dem Smartphone bzw. Tablet begleiten, so liest sich das gegenwärtig auf allen Kanälen geäußerte Bedauern über das digital rückständige Deutschland wie eine Abschrift dieser früheren Studien.

Die von Klaus Benesch vorgelegt Untersuchung über Buchkultur und Geisteswissenschaften im Informationszeitalter (Bielefeld 2021) nimmt einen anderen Standpunkt ein als die dem Lesepakt zugrunde liegenden Überlegungen. „Wie wir lesen“ versucht die Geschichte und Rahmenbedingungen, und damit den verschiedenen Ausprägungen dieser Kulturtechnik, auf den Grund zu gehen. Benesch fasst damit nicht nur Untersuchungen und Ergebnisse der früheren Jahre aus verschiedenen Institutionen und Kongressen zusammen, sondern gibt durch den Hinweis, dass die Krise des Buches bereits in der Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Ausgang nahm, als das Buch sich nicht nur einer elitär-gutbürgerlichen Gruppe öffnete, sondern immer mehr zum Allgemeingut „verkam“, dem Thema eine ganz neue inweis, Blickrichtung.

Mit der kurzen Erwähnung, dass gegenwärtig die Lesekultur der Jugend völlig andere geschult ist als vor Jahren, dass es also sein kann, dass wohl gelesen, aber anders und anderes gelesen wird, zeigt die Notwendigkeit zur Änderung der Blickrichtung.

Es kann ja sein, dass die Angebote, die heute gemacht werden, wohl eine leicht pessimistische Haltung gegenüber dieser Kulturtechnik verstärken, aber damit der Lesemotivation der Jugend nicht förderlich sind. Warum, fragt man sich, werden die Ergebnisse der Bundesligaspiele nicht nur gelesen, sondern auch im Gedächtnis verankert?

„Lauschen und Lesen“, deren Gedichte einer Veranstaltung einer kleinen Jazzgruppe dienten, zeigte, wie man Lesen und Hören oder Hören und Lesen an den Mann bringen kann. Es ist ein Umdenken gefragt, damit wieder gelesen wird oder besser noch, damit wir den richtigen Eingang zum Lesen wieder finden.

Aktuell ist Stille. Wir planen für die Zukunft

Die hoch angesiedelte Konferenz Digitale Wissenschaft (Stand und Entwicklung digital vernetzter Forschung in Deutschland 20.09.2010 in Köln, OPUS 4 | Digitale Wissenschaft - Stand und Entwicklung digital vernetzter Forschung in Deutschland (hbz-nrw.de) endete mit dem Schlusswort: „ … dass uns bei all den Diskussionen ... derzeit noch keine echte, d.h. virtuelle, Alternative zu einer Tagung eingefallen ist, kein Tool, keine Technik, die das gemeinsame Diskutieren und Erleben, die viel zitierten Gespräche in der Kaffeepause ersetzen kann …".

Bibliotheken haben sich relativ spät auf ihre Aufgabe als Zentrum der Kommune besonnen. Sie haben sich als Bücherschrank für jedermann, als Lernort und als Bildungseinrichtung definiert, ohne diesem Anspruch wie Karsten Schuldt nachwies, praktisch nachzukommen. Erst der in deutscher Übersetzung publizierte Aufruf von David Lankes, „Erwarten Sie mehr“, der ein lebhaftes Echo in der Kulturstiftung der Länder fand, wies der Bibliothek die Aufgabe zu, Mittelpunkt der Kommune zu sein. (s.a. „Die andere Bibliothek - Brief an eine Altbekannte“ unter Die andere Bibliothek - Brief an eine Altbekannte - Magazin 30 | Kulturstiftung des Bundes (kulturstiftung-des-bundes.de). Dabei wurde diese hier angesprochene Kommune weder rechtlich noch politisch eingegrenzt: Menschen, die sich nachbarschaftlich, mit einer Aufgabe, regional oder lokal, vernetzen wollen, sollten die Bibliothek als Zentrum ihrer Kommune ansehen. Mit dieser Aufgabe wurden auch die über die Entwicklung der letzten Jahrhunderte in den Bibliotheken getroffene Einteilung in Öffentliche oder Wissenschaftliche oder welche Unterschiede auch immer herausgestellt und gewünscht waren, in die zweite Reihe verwiesen.

„Im Schnittpunkt von Buchökonomie und Buchkultur stehen die Auswirkungen der Digitalisierung“, sagt die Professorin der Erlanger Buchwissenschaft Ursula Rautenberg. Es sieht aber zurzeit so aus, als ob dieser Schnittpunkt verloren zu gehen droht, weil die Angebote derzeit nur aus Digitalierungsvorhaben bestehen: mögen es Konferenzen und andere digitale Treffen, Fortbildungen oder Informationsangebote sein. Es war eine sehr mutige Entscheidung, die Buchmesse in Leipzig im Frühjahr 2021 abzusagen, weil, wie Oliver Zille es sehr klar ausdrückte, eine Messe eine Begegnung auf den verschiedenen Ebenen erfordert und dieses digital nicht möglich ist. Dem stimmen wir zu, obwohl uns diese Absage aus vielen Gründen sehr geschmerzt hat.

Was wird aus einer Buchwissenschaft ohne Buch?“ fragt die Erlanger Buchwissenschaft. Und wir können uns nicht des Eindrucks erwehren, dass die Vorherrschaft des Digitalen, dem sehr oft die Aura des Modernen anhaftet, durch die Aufholjagd des Buches in kleinen Buchläden leichte Risse bekomme hat. Auf der Ebene des Politischen hat dies Sorge auslöst, wie die Gründung eines nationalen Lesepaktes (Lesen eröffnet uns die Zukunft. Und unseren Kindern eine gute Zukunft. Dafür machen wir uns stark) zeigt. Dabei findet die Gründung dieser Stiftung ihr Pendant in Russland, getragen von ähnlichen Sorgen, dass die Beschäftigung mit einem Buch und einer Geschichte wohl andere Teile unseres Gehirns anspricht als eine permanente Beschäftigung mit elektronischen Nachrichten. Dies sagen wir hier auch angesichts einer permanenten pädagogischen Bedrohung der Kinder durch übermäßigen Fernsehgenuss bzw. Bildschirmkonsum in der Vergangenheit, der sich jetzt als erforderlich erweist.

Wie sehr Bücher zum guten analogen Leben beitragen können zeigen u.a. „Guten Tag - haben Sie Bücher“, dieses kleine Büchlein, das das Leben in der Stadtbücherei Marzahn nachgezeichnet hat, und sich als Bestseller erwies, wie auch die sanfte Satire „Ich bin ein Bibliothekar“ über einem Bibliothekar, der seinen Beruf als Partner des Lesers über alles liebt und aufgeben soll, zugunsten eines unnötigen Programms intellektueller Beschäftigung.

„Verantwortung für alle“ lauten jetzt schon die Forderungen, die auf tiefgreifende soziale und ökonomische Veränderungen hinweisen, die uns das Abflauen der Epidemie und ein Ende der Stille bringen werden. Den Bibliotheken wird dabei eine große Verantwortung zufallen, die sie auch einfordern sollen. Mit dem Sammelwerk: „Bibliotheken.Wegweiser für die Zukunft. Projekte und Beispiele“ zeigen sie, dass sie das können, man muss sie nur lassen und fordern (erscheint im 2. Halbjahr 2021). 

Rainer Kappe

Kollege, Freund und Berater - RIP

Als das Deutsche Bibliotheksinstitut zu Begin des neuen Jahrhunderts unterging, versuchte Rainer Kappe in dem Chaos zu retten, was noch zur retten war und den vielen Kollegen wenigstens den Hauch einer Zukunft zu vermitteln. Er selbst erhielt eine gute Zukunft im Jüdischen Museum. Dort sahen wir uns wieder. Er war zusammen mit anderen Autor und Herausgeber für Das Tagebuch des Klaus Seckel. ISBN 978-3-940862-14-3. Er beriet den Simon Verlag für Bibliothekswissen während des schwierigen Beginns seiner Tätigkeit und illustrierte einige der neuen Publikationen.  Rainer Kappe begleitete uns über viele Jahre. Wir werden ihn nie vergessen.

Ich bin ein Bibliothekar

Gotthold Ephraim Lessing war einer. Er gab der Wolfenbüttler Bibliothek das Gesicht eines Lern- und Wissenszentrums. Antonio Panizzi formte das British Library Museum zu der effektiv arbeitende British Library um und gab ihr ein prägendes Gebäude. Benjamin Franklin mit seinen Vorschlägen zur Systematik förderte die Gründung öffentlicher Bibliotheken in Frankreich und Gallardo legte die ersten Grundlagen für ein von Aufklärung und Liberalismus getragenem Bibliothekswesen in Spanien. Leider musste er diese Ideen mit zeitweiligen Gefängnisaufenthalten bezahlen, anders als bei der Bibliothek für Ausländische Literatur in der Sowjetunion, in der eine große Anzahl verdächtiger Intellektueller für Jahre Arbeit und Schutz vor der Perestroika fanden. Die Lebenskrise der Bibliothekare in der Bundesrepublik wurde von Rainer Strzolka traurig und komisch dokumentiert in: Der Bibliothekar – ein Monodrama, von den slowenischen Kollegen mit Vergnügen übersetzt.  

Bibliotheken bildeten immer den Hintergrund kultureller Blüte, wie die Übersetzungsschulen in Toledo, die gleichzeitig die ersten Leihzentralen bildeten und damit die Klöster des frühes MA mit Wissen und Möglichkeiten des Studiums ausstatteten. Daher ist es kein Wunder, dass die Bibliothek von Alexandria vor einigen Jahren neu aufgebaut, zu einem nationalen Erbe Ägyptens wurde, die in der Revolution vor einigen Jahren von allen Bewohnern geschützt wurde, wie David Lankes in Erwarten Sie mehr, 2017, berichtete.

Es waren Bibliothekare, die im Hintergrund, sehr oft intensiv ihrer Aufgabe verpflichtet, in das Zentrum des Interesses rückten. Graue Maus oder Literaturluder - das Bild der Bibliothekarin in der Belletristik ausgewählter Länder nennt Cornelia Fix ihre 2008 erschienene BA-Arbeit. Dieser Trend wurde durch Veröffentlichungen und andere Medien verstärkt, die das Bild der Bibliothekarin zeichneten, sehr oft mit einer leicht negativen Tendenz, altmodisch, nicht zeitgemäß, oft komisch. Hemdesusen, diesen Titel erhielten sie in einem Bericht über einen Kongress öffentlicher Bibliotheken in den 50er Jahren.

Veröffentlichungen und Kommissionen über das Berufsbild folgten auf Kongressen und Tagungen. Altmodischer Habitus bestimmte den Ton des Unzeitgemäßen dieser Berufsgruppe von der Kritik bis hin zur persönlichen Beleidigung. Als die Informationswissenschaft begann, die Informationsvermittlung zu erobern, und Ideen eines sich lohnenden Marktes das erste große staatliche Förderprogramm in der Bundesrepublik bestimmten, nivellierte sich in vielen Ländern weiter der Ruf der Bibliotheken zu veralteten unbrauchbaren Einrichtungen, besonders des Personals, das diesem neuen Zeitgeist und rapiden Entwicklung nicht gewachsen sei.

Der smarte Manager hielt Einfluss. Eingangs heftig beklatscht, wie der unglückselige Manager von Bertelsmann mit seinem Preisgesang auf die totale und kontrollierte Beherrschung der geistigen Welt, besonders der Musik, durch das Internet in einer internationalen Tagung in Berlin in den 90er Jahren.

Guten Tag - haben Sie Bücher dagegen, dieses Tagebuch einer öffentlichen Bibliothek in Berlin-Marzahn, zeichnet die unermüdliche Informationsarbeit seines Personals für jedermann bis hin Einrichtung von Schreibwerkstätten.



Und nun diese Satire.

Christer Hermansson: Ich bin ein BIBLIOTHEKAR!


Eine scheinbar altbackene Beschreibung eines Menschen, der diesen Beruf liebt und mit ihm tief zufrieden ist. Administrativen Aufgaben wie Rechnungslegung etc. unterzieht er sich ohne Widerspruch. Nur die Absurdität der neuen Aufgaben einer smarten Managerin unter der Zerstörung seiner für die Bibliothek so wichtigen Kompetenzen erkennt er nicht. Oder doch???

Die neue Managerin erreicht schnell ihr Ziel...

Wir wollen den Autor, Christer Hermansson, nach Deutschland einladen für Lesungen und Begegnungen. Er spricht Deutsch. - Wir suchen dafür Partner und Mitstreiter - Termin offen (Dank Corona).

Spannend verspricht das Gespräch zu den verpassten (oder politisch nicht gewollten?) Chancen für Bibliotheken während der Corona-geprägten Zeit zu werden.

 

Kontakt und Bestellungen:

Telefon: 030 44739675

per email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Fake News und wir. Neue Formen der Macht und des Wissens

Vor einer Dekade veröffentlichte die junge Bibliothekarin und Pädagogin Eva Homeyer Informationskompetenz in Grundschulen. Probleme und Perspektiven für Schüler und Lehrer, ISBN 978-3-940862-03-7. Das Buch war hervorragend recherchiert, sehr gut geschrieben und erhielt auch ausgezeichnete Kritiken. Es wurde nicht verkauft, daher nehmen wir an, dass es nicht gelesen wurde.    
   

Fake News, Propaganda und Desinformation im Digitalen Raum, ISBN 978-3-945610-55-5 nennt Johannes Elia Panskus sein Buch, das auf der Büchermesse in Leipzig 2020 vorgestellt werden sollte. Eine Entwicklung von 10 Jahren im Vergleich zu dem Buch von Homeyer, bei der Digitalisierung ein Lebensalter, was eigentlich Fortschritte aufzeigen sollte und doch mit der Coronakrise das ganze Elend der Digitalen Entwicklung in diesem Land nur anhand dieser einen Publikationen vor Augen führt. Mangelnde Ausstattung mit Hardware sowie eine fehlende Integration in den Unterricht, die die nicht wahrgenommene Verantwortung auf den Schultern einiger leidenschaftlicher Nerds ablegte, die aber weder durch eigene Weiterbildung noch durch Unterstützung der Schulleitungen, mögen es die Schulen selber oder deren höheren Funktionen sein, umgesetzt wurde. Politische Digitalpakte helfen dann wenig, wenn nicht der Erwerb der digitalen oder Informationskompetenz als Zielvorgabe definiert und verfolgt wird.

Die Coronakrise brachte es an den Tag, als von heute auf morgen Kinder mit Hilfe der elektronischen Medien unterrichtet werden sollten und es bedurfte dem Beispiel einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, in der der Unterricht wirklich in dieser Art stattgefunden hat. – Ohne Eltern und ohne genervte Kinder. Der Ministerpräsident von Thüringen will weitere Lockerungen der Corona-Verbote, um die Wut der Mitbürger und die Flut der Fake News einzudämmen. Was für eine Verwechslung von Ursache und Wirkung. Fake News sind nicht Folgen einer Wut, sondern Folgen mangelnder Ratio und wie die Familienministerin bei der montäglichen TV-Sendung von Hart aber fair sagte, die sogenannten digital natives können das Internet in ihrer Tiefe und Breite nicht nutzen, es sind digitale Verbraucher, die amazon jetzt einen Riesengewinn bescheren, aber nicht die Informationsquellen nutzen, die den fake news den Boden entziehen würden.


Mit der Aufklärung der Neuzeit bekam der Glauben an Teufel und Hexen neuen Auftrieb, manchmal auch genutzt von der Kirche, um Menschen in ihrem gehorsamen Unglauben zu lassen. Wenn die Kirche auch damals geglaubt haben mag, ihre Macht auf diese Art zu bewahren, es war ein Irrtum.  Der Staat von heute möge es die nationale, kommunale oder Länder-Ebene sein, deren Interesse dem Machterhalt oder Zuwachs gilt,  sie sollte diesen Irrtum nicht verfolgen. Es hört sich einfach an und verliert doch durch die Wiederholung jede Wahrheit. Fake News, irrige Ansichten lassen sich nicht durch einmalige Gespräche aus der Welt schaffen, sondern nur durch Informationen, den rechten Zugang zu ihnen und den Umgang mit diesen Werkzeugen. Mit Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum – Bibliotheken als Bildungs-und Machtfaktor der modernen Gesellschaft wies W. Umstätter schon vor Jahren auf diesen Paradigmenwechsel in der Macht hin, und verknüpfte ihn mit der Forderung nach einer neuen Infrastruktur, auch den Wechsel und die neue Wertigkeit, die Information und Wissen mit sich brachte und bringt. Dies hat sich nun erneut bewahrheitet. Corona bringt es an den Tag. Dies  wurde nicht nur von einem Teilnehmer des oben genannten Hart aber fair in das Publikum getragen. Viele Mittel für die Lufthansa (wenn auch nur als Kredit), aber anscheinend immer noch keine für die Zukunft. Wie wird unsere Zukunft aussehen, wer wird sie sichern?


Ungeklärte Fragen und keine Antwort.              

Unsere Autoren- eine Hommage des Simon-BW-Verlages

Der Simon-BW- Verlag wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Das ist nicht alt. Er ist immer noch der Benjamin im Vergleich zu vielen älteren und größeren Verlagen. Wir wollen auch die Schwierigkeiten kleiner selbstständiger Verlage durch keinen Bericht unseres Kampfes ums Überleben ergänzen, sondern wir wollen dem Fundus unserer Arbeit, unser Zentrum, unsere Überlebensbasis, den Quell unserer Freude in unserer täglichen Arbeit in den Mittelpunkt dieser Chronik stellen, unsere Autoren.

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Stephan Büttner

Wie sich die Informationswissenschaft in der digitalen Transformation behauptet

Zwei vielversprechende Ansätze, um sich immer wieder neu zu etablieren

Stephan Büttner (Hrsg.), Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses - Antworten aus der Informationswissenschaft, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2019.

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Information Literacy darf nicht nur ein Traum sein.

Open Access hieß die Devise, als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information Literacy wurde gefordert, damit alle nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten. Aber schon vor mehr als zwanzig Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich Ebert Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Aktuell ist deutlich geworden, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch und Desinformationen verfälschen die Räume und Träume vom barrierefreien Open Access.

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Fake-News: Fehl-, Falsch- und Desinformation

Open Access war die Devise , als das Internet die Hoffnung auf freien Zugang zu alles Informationen ohne Schranken versprach. Information literacy wurde gefordert, damit alle mit dem neuen Medium umgehen konnten und  nicht nur den Zugang zu den Informationen hatten, sondern auch im vollen Umfang nutzen konnten.

Aber schon vor mehr als 20 Jahren, damals belächelt von allen Informationssprofis, veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung einen Kongress zum Hass im Internet. Die Gegenwart zeigt uns heute, nicht nur Hass und Verleumdung, sondern Fehl-, Falsch- und Desinformationen  verfälschen die Räume und Träume des Open Access.

Schon Stefan Hauff-Hartig. Fehl-, Falsch- und Desinformationen aus dem Blickwinkel der Informationswissenschaften weist auf die Kenntnis des Kontexts  hin, um den Wahrheitsgehalt von Informationen zu entschlüsseln. Willi Bredemeier erfragt von Spezialisten und Hochschullehrern in Die Zukunft der Informationswissenschaft - Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft? Gegenwart und Zukunft, Perspektiven und Forschungsfronten als Folgen der Digitalisierung. Dies sind nur einige Punkte der hier vorgelegten Untersuchung.

Mit dem Sammelwerk Die digitale Transformation in Institutionen des kulturellen Gedächtnisses hat Stefan Büttner Antworten aus der Informationswissenschaft auf die Umwälzungen der Digitalisierung herausgegeben. Nicht nur Bibliotheken und Forschung, sondern auch Museen und  Institutionen stehen vor Forderungen einer neuen Zusammenarbeit, die von jedem digital literacy erfordert und damit die  früher geforderte information literacy dramatisch weiter entwickelt.  Diese information literacy wird nicht nur von einigen Institutionen und Wissenschaftlern gefordert, sondern von jedem einzelnen, damit er nicht verständnislos in einer Welt verloren geht, die sich dramatisch verändert.

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Die andere Bibliothek

BRIEF AN EINE ALTBEKANNTE von Richard David Lankes – als Vorbereitung für den Bibliothekartag Juni 2018 in Berlin und für die Zukunft

Liebe Bibi,

Du bist nicht die einzige Bibliothekarin, die sich Sorgen um die Zukunft der Bibliotheken macht. Entweder bekommt man gesagt, Büchereien seien altmodisch oder überflüssig geworden, oder man hört, dass Bibliotheken in Zukunft eher als eine Art Stadtteilzentrum fungieren sollen, eher Erlebnisse als Lesefähigkeit und Bildung vermitteln sollten. Du fragst Dich, warum wir eigentlich ein neues Bibliothekswesen benötigen, das die Rolle der Büchereinen - und Deine eigene - in einer modernen und diversen urbanen Gesellschaft neu denkt.

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