Bibliotheken: Wegweiser in die Zukunft

Mit zahlreichen Abbildungen

ISBN 978-3-945610-62-6

Softcover € 32,00

„Einen Text im Internet zu veröffentlichen ist mit der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen vergleichbar“, schreibt 2014 die Debatte über Open Access in der Kommunikationswissenschaft (Zeitschrift Aviso Nr. 58). Diese Debatte hat sich verändert, denn Lösungen und Wege werden heute diskutiert und vorgestellt. Der Druck auf Bibliotheken mit verschiedenen Vorschlägen zum Thema Was können Bibliotheken tun hat sich verstärkt, obwohl die Konsequenzen der Digitalisierung sowohl in der Wissenschaft als auch im täglichen Leben jedes Einzelnen nicht realisiert worden sind, was die oberflächliche Gleichsetzung des Besitzes eines Tablets mit Digitalisierung insgesamt in fast erschütternder Weise deutlich macht.

Die Geburt von Open Access aus dem Geist der Zeitschriftenkrise Anfang der 2000er Jahre ist allen noch gegenwärtig, auch mit dem mutigen Aufbruch dieser Bewegung und der Budapester Erklärung. Die Wellen, die sich dadurch in Bewegung setzten, wurden meiner Meinung nach auch von den Gründern der Open-Access-Bewegung nicht vorausgesehen. Durch diese Situation wurde Open Access auf das Verwertungsmodell wissenschaftlicher Publikation fixiert und hat dies maßgeblich beeinflusst. Dadurch erhielt die Diskussion über den Zugang zur Information und wissenschaftlicher Publikation als private oder staatliche Aufgabe eine neue Brisanz, war aber im Ganzen der Idee des Open Access für alle Felder der wissenschaftlichen Information und seinen Folgen nicht förderlich. Die Bibliotheken erhielten neue Aufgaben: gerieten sie durch die Zeitschriftenkrise in erhebliche Zwänge, weil ihre Kunden sehr oft gleichzeitig die Wissenschaftler waren, die in diesen Zeitschriften publizierten, und der Zugang erhebliche Mittel für die Zeitschriftenabonnements band, so benötigten sie aber gleichzeitig nicht nur diesen Zugang für ihre Arbeit, sondern beeinflussten auch durch die Bewertung und den Fortschritt der Karriere durch publish or perish.


Dieses sind nur kurz einige Eckpunkte der Probleme, die Open Access in der Welt der Printmedien verursachte. Die Einrichtung von Repositorien sollte den Bibliotheken zu einem Ausweg aus diesem Dilemma verhelfen und den Bibliotheken eine gesellschaftliche Aufgabe für die Gegenwart, aber auch Zukunft, zuweisen. In den Bibliotheken der USA spielten sie, lange bevor sie hierzulande bekannt wurden, eine große Rolle als Aushängeschild der wissenschaftlichen Potenz der Universitäten und Institute, da sie in erster Linie als Aushängeschild der wissenschaftlichen Leistung des eigenen Personals dienten.

Durch das neue Format einer Open-Access-Veröffentlichung zeichnen sich auch die in diesem Buch vorliegenden Beiträge inhaltlich wie formal aus. In den Strategien und Projekten, sowohl in den Modellen als auch in der Realisation, verliert die administrative Einordnung im Vergleich zu der Vernetzung an Bedeutung. Die Kooperation einer Stadtbibliothek mit einer anderen Stadtbibliothek ist nicht mehr wichtig, eventuell sogar nicht nötig oder erwünscht, sondern lieber gesehen mit einem lokalen Archiv, das den Bürgern eine Teilnahme als citizen scientist erlaubt oder einfach eine Teilnahme an der Erforschung der Heimat. Dieses erfordert eine neue Strategie sowohl in der regionalen oder lokalen, eventuell auch nationalen, Vernetzung, die sich aber nach inhaltlichen Kriterien oder den Wünschen ihrer Kunden richtet und nicht nach administrativer Einordnung der Bibliotheken.

Diese wurde schon von Richard David Lankes mit Erwarten Sie mehr und seiner Geschichte von der Bewahrung der Bibliothek von Alexandria und seinen anderen Bibliotheksgeschichen ad absurdum geführt, ist aber in der politischen Debatte hierzulande immer noch von einer unseligen Bedeutung, wenn in der Pandemie immer noch keiner auf die Idee kommt, öffentliche Bibliotheken als Nothelfer einzuspannen statt völlig ausgelaugte Mütter. Eine Idee, die in den geforderten Nachhilfesitzungen ihre Fortsetzung finde, wobei Bibliotheken sich auf ihre Aufgabe besinnen sollten, Angebote für selbständiges, eigenes Lernen zu machen und keinen weiteren Beitrag zu Verschulung der jungen Generation zu leisten.

Digitalisierung ist mit der zukünftigen Entwicklung der Bibliotheken verknüpft. Je nach Betrachtungsweise kommt dem Wort eine andere Bedeutung zu. Es ist aber jetzt schon ersichtlich, dass wir – und besonders die Bibliotheken - mit disruptiven Konsequenzen zu rechnen haben und daher fehlt eine allgemein gültige Definition. Aber schon jetzt ist ersichtlich, dass sich der Umgang mit den Informationen, das Empfinden der Zeit und die Gestaltung von Arbeit ändern werden. Auch die digitalisierte Wissenschaft wird unser Bewusstsein von Geschichte und Tradition ändern, denn sie wird uns zu Entscheidungen zwischen Aufbewahren und Löschen von personenbezogenen Daten zwingen.

Dieses sind nur einige Punkte, die auf die Bibliothek zukommen. Lesen und schreiben gehörten zu den Basisaufgaben jeder Bibliothek. So wird sie Vermittlerin des Lesens und Schreibens ihres Repositoriums werden (müssen). Jeder, der der Meinung von Kindern über Sendungen im Fernsehen zuhört, merkt gleich, hier wächst eine Generation heran, die nicht nicht liest, wie es oft gesagt wird, sondern anders liest. Das wird auch die Beiträge der Repositorien auszeichnen. So sollen Bibliothekare nicht zu Gatekeepern der Repositorien werden, sondern sie sollen das Tor weit öffnen und die herum liegenden Steine zum Nutzen aller, Lesenden und Schreibenden, fortschaffen.