Es passt in die gegenwärtig aufgeregte Digitalisierungsdebatte, dass  Oaarwurm 4.0 sein Festival mit der Frage begann Komponieren analog oder digital ? und dazu 5 Experten eingeladen hatten, die sich  in einem R.T. dieser Frage stellten (moderiert von A-.O. Simon) Allen Teilnehmern: Frau Dr. Gisela Nauck Chefredakteurin der Fachzeitschrift Positionen, Michael Quell, Komponist und Hochschullehrer, Dr. Roland Jerzweski, Literaturwissenschaftler und Europa Experte. Dr. Gerhard Koch, Journalist, FAZ und Professor Dr. Rolf Großmann, Universität Lüneburg, FB Digitale Medien und Auditive Gestaltung waren einige Punkte zu Gestaltung des Gespräches vorher  zu gegangen. Außerdem hatten sie die Erinnerungen des Manfred Reichert: Fremder Ort Heimat, Berlin 2018 erhalten. Dieses Buch ist mehr eine Geschichte der Rezeption von Neuer Musik als eine persönliche Lebenserinnerung, weil sich in den zahlreichen hier veröffentlichten Rezension der Konzerte von M. Reichert die Rezeption Neuer Musik spiegelt, deren Anfänge Reichert in ersten Konzerten dem deutschen Publikum näher gebracht hatte.

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Das Festival hätte den Namen in  motion  gemäß der Veranstaltungen  an mehreren Orten verdient. Während der R.T. und das anschließende Konzert des art ensembles – Galactic Composers im Kulturhaus Alte Feuerwache, sowohl in der Galerie als auch in der Studiobühne stattfand, zog das Festival für den Rest des Programms  in die Brotfabrik Weißensee, um die Abschlussveranstaltung mit einer russischen Flötistin in einem herrlichen sommerlichen Garten, der dem von Liebermann in keiner Weise nachstand  der Galerie Sander Brack im Hartmansdorf zu feiern. Dieser Ortswechsel gab dem Festival eine Farbe der Verbindung zwischen den Bezirken und Internationalität, die sowohl den Charakter der Musik Rechnung trug als  auch  kommunikativ Internationalität  vermittelte, wie man sie bei anderen Veranstaltungen mit ähnlichem Vorhaben oft schmerzlich vermisst.

Das Theater der Brotfabrik bot einen geeigneten Rahmen für die Aufführungen des Neo Quartett (Danzig) und des Max Brand Ensembles ( Wien). Es entstand eine besonders dichte Kommunikation zwischen Musik und Zuhörer. Dies wurde noch durch das Programm des Neo Quartetts  unterstrichen, das z.B. zwischen dem heute als Klassiker geltenden Luloslawski, Polen  und deutschen Komponisten eine Brücke schuf, die das Publikum begeistert betrat.  Es sei der Stiftung für Deutsch Polnische Zusammenarbeit gedankt, dass sie  diesen Auftritt in Berlin gefördert hat, der im November in Danzig seine Entsprechung finden wird.  Für die Gegenseitigkeit   Neuer Musik und ihrer Partner war dies ein unvergesslicher Auftritt. Das Konzert des Max Brand Ensembles diente ebenfalls der Kooperation zwischen Österreich und Deutschland, die Ende des Jahres im Roten Salon in Wien fortgesetzt werden soll.

Duos, wie der anrührende Auftritt des begnadeten Pianisten Theodorkakis und Juliane Harberg  und eine intelligent witzige   Musik-Literatur-Performance des Walter Baco trugen weiter zur Farbigkeit des Festivals bei. Georg Wettin (Klarinette ) und seine Partnerin (Akkordeon) waren einigen aus dem Publikum schon aus dem Konzert im wunderschönen Landesmuseum in Chemnitz bekannt. Man kommt ins Grübeln, ob es nicht viel besser wäre, ein Publikum mit Musik zu gewinnen als weiter die Gefahr von Hass und Wut zu schüren. Man kann und soll der Musik zwar keine Botschaft aufzwingen, aber es sollte nicht der aufstachelnde Rapp oder  Klanginstallationen sein, die einlullen sondern eine Musik, die zum Nachdenken anregt und der Kreativität dient, die bei aller Kritik und  Ablehnung die Neue Musik vermitteln kann.

Das Oaarwurm Festival für komponierte Musik 2018 ist ein Festival des Austausches und der Kommunikation. Berliner Komponisten präsentieren neue Arbeiten zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit und tauschen sich mit dem Publikum aus.  Mit diesem  Vorhaben warb man in Institutionen, deren Zielrichtung generell nicht die die Neue Musik ist. Das war mutig, nicht nur von den Veranstaltern des Festivals sondern auch von den Organisatoren der Räume dieses Festivals. Neue Musik nicht nur in abgeschlossenen Räumen, sondern direkt an dem Menschen, auf der Ebene des Bezirkes oder auch ganz persönlich am Menschen, wie im Garten von Brandenburg. Dieser Nachhaltigkeit, der einzig Weg, der der Neuen Musik neue Liebhaber bringen wird, sollte  konsequent fortgeführt werden. Er wird zum Erfolg der Neuen Musik, zur Freude der Menschen, zu einem friedlichen Miteinander beitragen und der Kreativität zu einer Blüte verhelfen, die  so oft beschworen und oft nicht erreicht wird.

Robert Weiss